Leserbriefe : Mut zu neuem Denken

„Zur Amtseinführung des Weltpolizisten“

von Sibylle Tönnies vom 19. Januar

Da soll also das nach wie vor „mächtigste Land der Erde“ die Weltverantwortung übernehmen und in seinen Händen zentralisieren. „Moralisch motiviert“, wie es heißt. Und das nach elend langen Bush-Jahren, in denen Menschenrechte und das Völkerrecht quasi im Stundentakt mit Füßen getreten wurde! Hinter der von Frau Tönnies erhobenen Forderung nach einer „Monopolisierung der Gewalt als Aufgabe des Jahrhunderts“ verbirgt sich, allerdings nur unzureichend verhüllt, die Sehnsucht nach einem Führer, dem der Rest der Welt auf Gedeih und Verderben zu folgen hat. Bis alles in Scherben fällt, ist man geneigt hinzuzufügen. Genau das ist im Klartext die Botschaft.

Nationen, die ihre Konflikte auf Augenhöhe regeln sollten, deren demokratischer Umgang auf internationaler Ebene vom Respekt untereinander zeugen müsste, kurzum: essenzielle Anliegen der Vereinten Nationen – nach Ansicht von Frau Tönnies: alles Quark! In der Person des neuen US-Präsidenten glaubt sie den „charismatischen Führer“ gefunden zu haben, der seine „weltpolizeiliche Rolle“ als einziger Hauptdarsteller auszufüllen und der im Stil eines Cäsaren allein zu bestimmen hat, wer und was gut oder böse ist. Grotesk!

Ihre abschließende Begründung, dass die „Zentralisierung der politischen Macht auf dem Globus – auch um der Weltwirtschaft willen“ angesagt ist, dürfte eigentlich nur homerisches Gelächter auslösen. Um die aufziehende Weltwirtschaftskrise überwinden zu können, bedarf es sicher des Mutes zu neuem Denken, nicht aber, indem man den größten Bock zum Gärtner befördert – wie uns die Autorin weismachen will.

Hans Schoenefeldt, Berlin-Lichterfelde

„George W. Bush / Seine letzten Worte“ von Malte Lehming vom 13. Januar

Bush räumt Fehler ein. Ich bin erschüttert über die verständnisvollen Worte, die der Autor für diesen Menschen findet, der in der Tat die Welt verändert hat; der verantwortlich ist für den Tod ungezählter Menschen; der die UN irrelevant nannte und das nordatlantische Bündnis zerrüttet hat; der es geschafft hat, unser – zugegebenermaßen sehr idealisiertes – Bild der westlichen Führungsmacht nachhaltig zu zerstören. Er hat nicht nur das Ansehen und die Glaubwürdigkeit Amerikas, sondern der gesamten westlichen Welt tief beschädigt. Er steht für Folter, einen unerträglichen Überwachungsstaat und er und seine Administration waren wesentlich an der Finanzkrise beteiligt. Und das bewältigen zu müssen nennt der Autor eine Art Luxus?

Monika Häcker, Berlin-Wilmersdorf

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