Leserbriefe : Nachrichten

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Sehr geehrte Frau Wagner,

sehr geehrter Herr Waack

leider können wir dem Zigarettenqualm in geschlossenen Räumen nicht ausweichen – er ist der gefährlichste Innenraumschadstoff, den wir kennen und lagert sich beispielsweise in Möbeln, Teppichen und Gardinen ab. Werden nur drei Zigaretten in einem geschlossenen Raum von 60 qm Größe abgebrannt, so ist die Feinstaubbelastung in diesem Raum fünf- bis zehnmal höher, als wenn im gleichen Raum 30 Minuten lang ein Dieselmotor gelaufen wäre! Solche Zahlen sind leider in der Öffentlichkeit noch nicht hinlänglich bekannt. Passivrauchen führt nach Erkenntnissen des Deutschen Krebsforschungszentrums bei uns zu 3300 Todesopfern jährlich. Das Rauchen selbst fordert 140 000 Todesopfer pro Jahr in Deutschland. Die medizinische Versorgung kranker Raucher und die dadurch entstehenden Kosten aufgrund des Arbeitsausfalls belasten unsere Volkswirtschaft mit mehr als 19 Milliarden Euro jährlich. Dies ist weit mehr, als die Tabaksteuer einbringt – 2005 hat der Staat aus dieser Steuer 14,4 Milliarden Euro eingenommen.

Raucher schaden nicht nur sich selbst, sondern auch den Menschen in ihrer Umgebung. Mehr als die Hälfte aller Raucher möchte gerne von ihrer Sucht loskommen, schafft es aber nicht. Wir müssen also gemeinsam handeln! Immer mehr gesellschaftliche und politische Institutionen und Einrichtungen haben mittlerweile erkannt, wie wichtig ein effektiver Schutz vor dem aktiven und passiven Rauchen ist. Gesundheitsschutz ist kein Schlagwort mehr, sondern bekommt eine politische Basis. Quer durch alle politischen Parteien werden gesetzliche Maßnahmen für den Schutz vor dem Passivrauchen diskutiert. Der Jugendschutz wird weiter verbessert: Künftig sollen Tabakwaren nur noch an Menschen über 18 Jahren abgegeben werden. Tabakwerbung in Zeitschriften und im Internet wird künftig nicht mehr erlaubt sein. Viele Schulen sind mittlerweile rauchfrei, und die Bundesbehörden sollen es ebenfalls werden. Alle Flugreisen sind rauchfrei, in Flughäfen und auf Bahnhöfen gilt ein Rauchverbot außerhalb eng umgrenzter Raucherzonen, und auch in der Bahn darf nur noch sehr eingeschränkt geraucht werden.

Aus Sicht der Deutschen Krebshilfe sind aber noch weitere wichtige Schritte dringend notwendig: ein weitreichendes Tabakwerbeverbot, das auch für Großflächenplakate gilt, die Abschaffung der Zigarettenautomaten, eine effektive Bekämpfung des Zigarettenschmuggels – und vor allem auch ein umfassendes Rauchverbot in allen öffentlichen Gebäuden einschließlich der Gastronomie.

Freiwillige Rauchverbote in der Gastronomie funktionieren leider nicht, wie die Erfahrung aus manchen unserer europäischen Nachbarländer zeigt. Doch wenn in Gaststätten ein umfassendes Rauchverbot gilt, haben Gastwirte keine Umsatzeinbußen zu befürchten – im Gegenteil! Viele Nichtraucher gehen sogar viel lieber und länger aus, wenn sie im Restaurant oder in der Kneipe nicht durch Zigarettenqualm belästigt werden. Doch wir sehen nicht nur den Kunden, sondern richten unser Augenmerk auch auf den Schutz der Arbeitnehmer in der Gastronomie. Hier geht es um fast eine Million Menschen. Die Arbeitsstättenverordnung sichert jedem Beschäftigten einen rauchfreien Arbeitsplatz zu – außer den Angestellten in der Gastronomie. Dieser Zustand ist aus unserer Sicht unerträglich; die Arbeitsstättenverordnung sollte dringend geändert werden.

Bei Frauen unter 50 Jahren verdoppelt eine anhaltende Passivrauchbelastung das Brustkrebsrisiko. Gerade jüngere Kellnerinnen sind also besonders gefährdet. Erfahrungen aus Italien belegen hingegen, dass sich schon wenige Monate nach der Einführung des Rauchverbotes die Gesundheit von Angestellten in der Gastronomie deutlich bessert.

Für einen umfassenden Schutz vor dem Passivrauchen gibt es eine breite öffentliche Basis. Mehr als 70 Prozent der Bevölkerung sind Nichtraucher. Wir sind fest davon überzeugt, dass sich das Rauchen aus der Öffentlichkeit zurückdrängen lässt. Rauchen ist keine Privatsache, wenn sich Nichtraucher mit im Raum befinden.

Mit freundlichen Grüßen

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