Leserbriefe : Nächstenliebe ist was anderes

„Sterbehilfe / Das Geschäft mit dem Tod“ von Jost Müller-Neuhof vom 23. November

Die veröffentlichte Meinung maßt sich an, dem kleinen Rest der Menschheit vorzuschreiben, gefälligst ihr individuelles Leiden als gottgewollt, mindestens als auferlegtes Schicksal bis zum bitteren Ende zu ertragen. Nicht einmal die Freiheit, selbst darüber zu befinden, wann der unheilbar Kranke sein Leben nach nüchternen und vernünftigen Abwägungen für nicht mehr lebenswert hält und es dementsprechend zu beenden, wollen die Vertreter der „Political Correctness“ anderen zubilligen.

Meines Erachtens ist es nichts anderes als Verdrängung, wenn die Vertreter der öffentlichen Meinung sich über die „Geschäfte“ des Herrn Kusch aufregen. Wo anders als bei „Geschäftemachern“ sollen sich denn Menschen in unserer Gesellschaft die Hilfe zum Freitod holen? Auch die gerne erwähnte „moderne Palliativmedizin“ ist nicht in der Lage, extreme Schmerzen erträglich zu machen.

In dem Kommentar von Müller-Neuhof vermisse ich jede Empathie für den seit Jahren Sterbenskranken, der um einen gnädigen Tod betteln musste. Die kritisierte „Werbung für den Freitod“ ist nur Ausdruck der Tatsache, dass die „veröffentlichte Meinung“ die passive Sterbehilfe generell als unmoralisch erklärt und am liebsten auch noch unter Strafe stellen würde, sie ist damit eine traurige Notwendigkeit.

Heinz-Jürgen Wolff,

Berlin-Charlottenburg

Den Artikel finde ich merkwürdig! Ist Ihnen nicht bekannt das es bereits seit Jahrhunderten das „Geschäft mit der Geburt“ gibt? Auch Ihre eigene Geburt hat Geld gekostet, wenn es in einem Krankenhaus war oder eine Hebamme dabei war. Was ist der Unterschied in dieser speziellen kostenpflichtigen Hinsicht Geburt/Tod? Sollten Sie selbst einmal in die entsetzliche Lebenssituation von schwerster, unheilbarer Erkrankung kommen und siechen nur noch bei vollem Bewusstsein dahin, ich kann mir vorstellen, dass sich selbst bei Ihrer grundsätzlichen Einstellung zu diesem Thema der Gedanke einschleichen würde, diese elende Existenz in freier Selbstbestimmung zu beenden – ich kann es mir für mich sehr klar vorstellen.

Das Einzige, was mich wirklich an dem „Programm Roger Kusch“ stört, ist, dass er viel zu viel Geld für seine Hilfestellung nimmt, dies hat nicht viel mit Nächstenliebe zu tun.

Ursula Kliemt-Schulz,

Berlin-Schmargendorf

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