Leserbriefe : Neues Stadtschloss wird zu teuer

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„Die Schlüssel zum Schloss“ vom 24. August 2005

Herr Appenzeller hat völlig recht, wenn er Zweifel an der Notwendigkeit eines Wiederaufbaus des Schlosses thematisiert. Berlin hat zahlreiche ungelöste Probleme, die dringlicher sind. Zur Lösung dieser Probleme in Bildung, Arbeit, Gesundheit, Verkehr etc. sind nur wenig schlüssige Konzepte und noch viel weniger finanzielle Mittel vorhanden. Um die mangelhaften Fortschritte bei der Lösung der eigentlichen Probleme zu überspielen, wird ein Gebäude errichtet, das die Handlungsfähigkeit und Einigkeit der verantwortlichen Akteure für die Nachwelt illustrieren soll. Eine offene Diskussion, ob diese Mittel nicht jedenfalls in der aktuellen Situation viel bürgerfreundlicher eingesetzt werden können, muss geführt werden.

Eckhard Bruhns, BerlinKreuzberg

Mit diesem Artikel Ihres Herrn Appenzeller zum Ja oder Nein eines Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses werden die Anhänger dafür mit Sicherheit nicht mehr.

Gerald R. Schiller, Berlin-Westend

Anlässlich der Diskussion um den Neubau des Stadtschlosses wäre es an der Zeit, sich die Diskussion um den Abriss der Pariser Markthallen zu vergegenwärtigen: Es schien damals, als ob die französische Kultur durch den Abriss einen unwiederbringlichen Schaden nehmen würde. Durch den trotz aller Proteste erfolgten Bau des Centre Pompidou wurde der französischen Kultur eine neue Perle angefügt.

Eine große Koalition der Alten nahezu aller Parteien scheint es in Berlin für angemessen zu halten, 670 Millionen für einen Neubau auszugeben (die als Schulden für künftige Generationen bleiben), für den es – außer einer diffusen Erinnerung an längst vergangene Zeiten – kein glaubhaftes Konzept gibt. Ein frischer, mutiger Entwurf junger Berliner Architekten (unter Nutzung der Palastruine) wird nicht einmal diskutiert. Dabei würde er nur 100 Millionen kosten, das ausgegebene Geld schnell einspielen und der Stadtmitte ein neues, zeitgemäßeres Gesicht geben als eine museale Rekonstruktion es vermag.

Franz Horlacher, Berlin-Mitte

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