Leserbriefe : Nicht alles in Berlin muss käuflich sein

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„Soll der Name des Olympiastadions verkauft werden?“ vom 27. August 2006

Vielen Dank für diesen Bericht. Es war ja zu erwarten, dass nach der WM dieses Thema wieder lanciert wird. Gerade deshalb sollte es nicht auf die leichte Schulter genommen werden: beim Namens-Verkauf „Olympiastadion“ geht es nicht mehr darum, „Tafelsilber“ zu veräußern. Vielmehr geht es um die kulturelle Entwertung von Symbolen dieser Stadt – um eine Entäußerung der Identität unseres Gemeinwesens: zu deren Vorrat gehört inzwischen das Olympiastadion Berlin. Die – zum Teil „organisierte“ – öffentliche Finanzarmut kann dafür nicht einfach herhalten: Die Erpressbarkeit der Stadt muss ein Ende haben.

Prof. Dr. Klaus Brake,

Berlin-Wilmersdorf

Es muss auch in einer Stadt wie Berlin nicht alles käuflich sein, vor allem nicht Tradition. Unrühmlich ist der Name des Olympiastadions keineswegs. Die Olympischen Spiele 1936 fanden dort zwar statt, aber sie waren ja nicht das Eigentum Deutschlands und schon gar nicht der Nationalsozialisten, sondern des Internationalen Olympischen Komitees, wie alle anderen Spiele auch.

All jene Sponsoren, die sich „ihr“ Stadion gekauft haben, nehmen sich damit nur allzu wichtig. Ist es so etwas Besonderes, ein mittelmäßiges Bier zu brauen, Autos zu versichern oder Amiklopse zwischen pappige Brötchenscheiben zu packen? Genau die Firmen, die gerne ein Stadion kaufen, benennen auch gerne die Straße vor dem Firmensitz nach ihrem Unternehmen. Es gibt brandenburgische Orte, in denen es nicht nur eine Ernst-Thälmann-Straße, sondern im nahen Gewerbegebiet auch tatsächlich eine McDonalds-Straße gibt. Raten Sie mal, wer dort unter der Hausnummer 1 residiert?

Das Olympiastadion gehört allen Berlinern, und die können auf eine Umbenennung gerne verzichten!

Ralf Drescher,

Berlin-Lichtenberg

Warum eigentlich nicht umbenennen? Viel ist hier ja ohnehin nicht mehr zu verscherbeln, das Tafelsilber ist längst verkauft. Besser das Olympiastadion umbenennen als die letzten Wohnungsbaugesellschaften verscherbeln, die ja angeblich nicht zum Verkauf stehen. Schaun mer mal, ob sich die Wahlkämpfer in unserer Stadt nach der Wahl daran noch erinnern oder ob sich plötzlich „neue“ Aspekte ergeben, die den Verkauf doch „unumgänglich“ machen.

Dem durch die Nazi-Spiele von 1936 belasteten Stadion tut eine Umbenennung jedenfalls eher gut. Und in anderen Städten ist die Umbenennung der Stadien doch gut gelaufen. Wem sollte denn heutzutage, wo wir an jeder Ecke, von jedem Radio- und Fernsehsender, in allen Tageszeitungen und Illustrierten mit Markennamen bombardiert werden, eine solche zusätzliche Werbung durch die Umbenennung auffallen? Und Hertha könnte bei der Gelegenheit gleich mitziehen, um seine Schulden abzubauen. Fragt sich nur, ob die Fans das akzeptieren …

Andreas Bock,

Berlin-Schöneberg

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