Leserbriefe : Nicht alles kann in Schulen repariert werden

„Schuleschwänzen kann für Eltern teuer werden – Zwei Richter wollen die Jugend-

kriminalität in Neukölln bekämpfen“

von Katja Füchsel vom 27. November

Die Betonung liegt auf „kann“ teuer werden und kann ist noch sehr lange nicht können, geschweige denn wird!

Grundsätzlich verstehe ich die Schulschwänzerei nicht. Ich war vor sechs Wochen außerhalb von Europa. Mir fiel auf, das in Berlin die Schulkinder immer ein Dach über dem Kopf haben, nicht auf sie geschossen wurde und auch niemand verhungern muss. Das sind drei elementare Punkte die manchmal in anderen Ländern anders laufen. Und dort würde niemand auf die Idee kommen, die Schule zu schwänzen. Schule wird als etwas Elementares verstanden. Und das ist auch gut so!

Uschi Dölle, Berlin-Britz

Die Richter machen es sich zu einfach. Ich reagiere immer sofort auf unentschuldigtes Fehlen, indem ich Kontakt mit den Erziehungsberechtigten aufnehme. Sicher ist das Problem der Schuldistanz in der Realschule nicht so gravierend. Der Erfolg meiner Schulversäumnisanzeigen sah immer so aus, dass ich eine Rückmeldung erhielt, der zu entnehmen war, dass den Eltern ein Bußgeld angedroht wurde. Eltern von 12- bis 14-jährigen Schülerinnen und Schülern kann man sicher nicht verpflichten, dass sie ihren Job aufgeben, um die Schulpflichtigen an die Hand zu nehmen und in der Schule abzugeben.

Und was machen die Richter, wenn die Eltern dies tatsächlich tun, aber die Schülerin oder der Schüler als eine/r von fünfhundert Schulpflichtigen die Schule einfach während der Unterrichtszeit verlässt? In dem Fall ist die Schule verantwortlich. Wollen die Richter hinter jedem potenziellen Schulschwänzer einen Aufpasser stellen?

Ursachen für Schuldistanz können in der Familie, im sozialen Umfeld, in der Clique, in personennahen Faktoren, in der Gesellschaft, natürlich auch in der Schule selbst liegen. Auch den Schulen kann man nicht die gesamte Verantwortung für die Schulschwänzer über die Aufsichtspflicht aufdrücken. Die Kriminalität der Schülerinnen und Schüler, die bereits mit 14 völlig „dissozialisiert“ sind, verlagert sich dann nur vom Vormittag auf den Nachmittag.

Wichtiger wäre es, der „Dissozialisierung“ vorzubeugen, indem man nicht die Jugendfreizeitheime schließt, indem man nicht Personal wie Sozialarbeiter abbaut und dadurch den Jugendlichen die Chance verbaut, einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung nachzugehen, anstatt in die Kriminalität abzugleiten.

Die Schulen sind schon jetzt Reparaturbetrieb für alles, aber Ölbrände kann man nicht mit Wasser löschen.

Detlef Wulff, Berlin-Schöneberg

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