Leserbriefe : Niemand will die DDR zurückholen

Zum Interview mit Brandenburgs Innen-

minister Jörg Schönbohm vom 22. Juni

Jahrzehntelang in der Generalsuniform der Bundeswehr, hat Schönbohm natürlich die Demokratie mit der Muttermilch aufgesogen und stellt diesbezüglich erhebliche Defizite bei den Ostdeutschen fest …

Für mich gehört Jörg Schönbohm zu den größten politischen Spaltern im Land! Er braucht seine feststehenden Feindbilder aus den Zeiten des Kalten Krieges niemals korrigieren. Er hat immer recht, steht – ganz Militär – auf der Siegerseite, und fühlt sich dort pudelwohl. Es wird Zeit, dass solche Verantwortungsträger allmählich anderen Platz machen. Dann würde in den Ostdeutschen vielleicht auch wieder die Lust an der Demokratie, am Mitgestalten dieser Gesellschaft, erwachen. So gesehen hat unser Schweigen kein System. Wir reden bloß nicht mehr mit, weil es mit den „Eliten“ um Schönbohm & Co. keinen Sinn macht. Leider haben wir denen 1990 das Siegen zu leicht gemacht.

Tim Johnschker, Strausberg

Wenn Herr Schönbohm den Osten und dessen Volk analysiert, hat das schon anachronistische Züge. Denn vieles von dem, was er beklagt, sind ja nicht mehr nur ostdeutsche Erscheinungen, sie gelten mittlerweile für ganz Deutschland.

Ohne, dass die Westdeutschen das System DDR wirklich er- und gelebt haben, macht sich bei vielen inzwischen ebenso Existenzangst breit, obwohl sie Jahrzehnte in scheinbarer Sicherheit und Wohlstand gelebt haben. Den Ostdeutschen wurde dies von Anfang an aufgepfropft in der Hoffnung, dass die faule Frucht aufgeht. Wenn Herr Schönbohm fehlende Umgangsformen, die Übernahme beruflichen Risikos, die fehlende demokratische Auseinandersetzung, die systematische Aberziehung in der DDR beklagt, so hat das auch und insbesondere mit dem Fehlen internen Wissens über das Leben in seiner ganzen Breite in der DDR und der Ignoranz, dies anzuerkennen zu tun. Dennoch, niemand hat die Absicht, die DDR wiederzuholen.

Herr Schönbohm sollte einfach zur Kenntnis nehmen, dass die Elterngeneration der z. B. heute erwachsenen und auch noch heranwachsenden Kinder ein Schulsystem genossen hat, das effizienter, für die Schüler bildungsintensiver, für die Anerziehung gepflegter Umgangsformen und für die Entfaltung auch und gerade außerschulischer Interessen wesentlich geeigneter war, als das vor allem in Brandenburg herrschende. Das nur noch davon lebt, neben den Grund-, Real- und Gesamtschulen nunmehr auch die weiterführenden Gymnasien zu schließen. Gymnasien sind letztlich die einzige erschwingliche Möglichkeit den Grundstein für eine „neue“ Bildungselite zu legen.

Wenn die CDU in Brandenburg die Größe eines Kreisverbandes von Recklinghausen hat, ist das sicher nicht die Folge fehlender Beteiligung der Menschen an der Demokratie und deren Erwärmung für dieselbe, sondern vielmehr des desolaten inneren Zustandes gerade der Schönbohm’schen CDU in Brandenburg. Ist das Demokratie, dieser Intrigantenstadel ? Viele Menschen beteiligen sich an linker Demokratie – ist das nichts ? Natürlich nicht.

Bernd Neumann, Bad Freienwalde

0 Kommentare

Neuester Kommentar