Leserbriefe : Niveaulos auf hohem Niveau

Zur Berichterstattung über

das Art-Forum Berlin

Der Jahrmarkt der Eitelkeiten gibt sich zum 12. Male die Ehre, das Art Forum Berlin, die internationale Messe für Gegenwartskunst am Funkturm. Präsentiert wird hier aber mit klitzekleinen Ausnahmen weniger die Kunst an sich, sondern vielmehr die Kunst, mit Kunst Geld zu machen. Bewundernswert der Wille, auf hohem Niveau – immerhin handelt es sich um die Kulturmetropole Berlin und angeblich um eine der mutigsten und konsequentesten Messen auf internationalem Niveau – niveaulos zu sein, bewundernswert die wahl- und lieblose Auslese der topgestylten Galeristen, bewundernswert der Wille der Künstler, Stars und Newcomers, in Klingelbeutelmanier ihre längst schon weich gekochten Rezepte nochmals aufs Tapet zu bringen: ein wenig Glitter hier, ein wenig Concept Art dort, viel Video-Ramsch, dazwischen inhaltsleere Riesenformate und Großskulpturen, deren materieller Aufwand bedauern mag. Dabei könnte es diese contemporary art doch viel besser – mit all den ihr heute zur Verfügung stehenden künstlerischen und technischen Mitteln. Und am Grips der Kunstschaffenden darf auch nicht gezweifelt werden. Zum Schluss mag man sich noch fragen, warum diese Messe „About Beauty“ heißt: doch hoffentlich nicht wegen der Memorialfotoausstellung zu Romy Schneider. Oder vielleicht wegen der wunderschönen Unübersichtlichkeit der Hallen und ihrer Kunstwaben, in denen die Kunstvermarktungsbienen emsig hin- und herschwirren, das Handy am Ohr. Jedenfalls ist es bestimmt schick, mal hier gewesen zu sein, ob als Künstler, Kunstagent oder Käufer. Aber schick muss nicht schön sein, geschweige denn bedeuten: auch wirklich über Niveau zu verfügen. So bleibt eben nur ein etwas fader Nachgeschmack, leider. Bitte mit einem Glas Champagner herunterspülen!

Dr. Angelika Leitzke, Berlin-Schmargendorf

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