Leserbriefe : Nun ist aber Schloss!

Zur Entscheidung im Architektur wettbewerb für den Wiederaufbau

des Stadtschlosses

Obwohl die Monarchie seit 90 Jahren in Deutschland abgeschafft ist, dürfen sich nun Politiker und Lobbyisten an ihrer Eitelkeit und der Idee berauschen, in Berlin das alte Stadtschloss wieder auferstehen zu lassen. An allen Ecken fehlt das Geld, aber für den Neubau einer Kulisse wie im Disneyland, für die nur mühsam irgendein brauchbares Konzept für die Verwendung zu finden war, darf es ruhig richtig mal was kosten! Barockfassade und Kuppel signalisieren aber nach meiner Ansicht nur rückwärts gewandtes Denken; es ist der vergebliche Versuch, die Vergangenheit als Zukunftsvision zu proklamieren.

Gleichzeitig wird berichtet, dass die Hamburger Elbphilharmonie nach dem heutigen Stand (es dürfte nicht der abschließende sein) dreimal so teuer werden wird wie geplant. Das sind dann etwa die 500 Millionen Euro, die für den Berliner Neubau gerade als Ausgangslage beziffert werden. Wenn ich Buchmacher wäre, würde ich schon heute Wetten entgegennehmen, dass die Berliner Schlossattrappe in wenigen Jahren eine mindestens ebenso so gewaltige Kostensteigerung aufweisen wird

Holger Kühne, Berlin-Schöneberg

Bildungssenator Jürgen Zöllner musste gerade erst einräumen, dass sich die notwendigen Sanierungskosten der Berliner Schulen inzwischen auf 950 Millionen Euro belaufen. Die Situation sei „unbefriedigend“ und 750 Schulen sind davon betroffen. Mit Sicherheit wird der Bau des Schlosses noch teurer werden, wahrscheinlich auch die Sanierungskosten der Schulen. Aber wir wären schon sehr erleichtert hätten wir 200 Millionen Euro für die Sanierung der Schulen. Das ist in meinen Augen eine sinnvolle Lösung mit diesem Haufen Geld umzugehen: Sie in die Zukunft unserer Kinder zu stecken. Denn es würden sich ja auch durch eine energetische Sanierung der maroden Gebäude die Betriebskosten erheblich reduzieren.

Barbara Lehr, Berlin-Friedenau

Nun sind die Schlossgegner beleidigt zu ihrer letzten Schlammschlacht angetreten und beweisen unfreiwillig, wie einzig richtig die Entscheidung des Bundestages war. Da sie meistens wenig oder nichts über das Schloss und seine Bedeutung für Geschichte und Stadtbild wissen oder erkennen wollen und offenbar auch keinen Sinn für Schönheit haben, fehlen ihnen wirkliche Argumente wie auch die Fähigkeit, eine Mehrheitsauffassung zu akzeptieren.

Es geht hier und besonders an dieser Stelle nicht um Ideologie, sondern um eine schmerzliche Wunde im Herzen Berlins, die – wie in erschütternder Weise durch die Alternativvorschläge zum Schloss und bereits zahlreich im Stadtbild bewiesen – nicht mit zeitgenössischer Architektur heilbar ist, da hätte man auch den Palast der Republik stehen lassen können!

Die barocken Fassaden werden jedenfalls helfen die Produkte zeitgenössischer Architekten besser ertragen zu können.

Die Freunde moderner Architektur haben in Berlin reichlich Gelegenheit sich an dieser zu erfreuen und können z. B. gern auf dem Alexanderplatz oder dem Potsdamer Platz lustwandeln.

Jörg Görn, Berlin-Moabit

0 Kommentare

Neuester Kommentar