Leserbriefe : Nur die Menschen stören

„Berlin plant nicht mehr“

von Dieter Hoffmann-Axthelm

Dass der Autor aus Vivico ein Verwertungsunternehmen der Bahn macht (was Vivico überhaupt nicht ist) oder eine ehemalige Behörde (was sie nie war), mag man ihm noch verzeihen können. Aber das unkonstruktive und von jeglichem Lösungsansatz befreite Klagelied, Berlin plane nicht mehr und alles sei schlecht, klingt doch zu stereotyp. Auf der einen Seite die Großinvestoren, die nun die städtebauliche Macht an sich reißen, und auf der anderen der willenlose Senat.

Berlin ist klasse, gerade weil es sich verändert. Statt verordnetem städtebaulichen Einheitsbrei gibt sich Berlin nun endlich selbst mehr Luft für Entwicklungen. Wenn sich Vivico als größter Quartiersentwickler in Deutschland einbringt, dann muss dies doch per se nicht schlecht sein. Was der Autor als Inselplanung bezeichnet, könnte man auch „Identität geben“ nennen. Der Hamburger Bahnhof, die Rieckhallen mit der Flick-Collection und die neuen Galerien in der Halle am Wasser – für den Autor „Kunstbusiness“, für andere vitaler Kunstcampus.

Was tatsächlich passiert: Senat und Investoren ringen gemeinsam um die besten städtebaulichen Lösungen. Aber das passt nun einfach nicht in manches dogmatische Weltbild. Ach, dann bleibe ich auch bei meinem Weltbild, so wie es ein Architekt mal selbstkritisch formulierte: „Das einzig Störende für Architekten und Stadtplaner sind die Menschen.“ Ob’s hilft?

Wilhelm Brandt, Leiter Vivico

Unternehmenskommunikation,

Frankfurt am Main

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