Leserbriefe : Nur eine Ausnahme

-

„Der ganz zentrale Festplatz“

vom 16. Juli 2006

Dass die Sperrung der Straße des 17. Juni zur Fußball-WM keinen Verkehrskollaps bewirkte, lässt sich nicht verallgemeinern. Viele Berliner Autofahrer werden den Bereich um das Brandenburger Tor während der WM bewusst gemieden oder das Auto stehen gelassen haben. Verkehr lässt sich nicht abschaffen, er wird nur verdrängt: Sicherlich teilweise auf Bus und Bahn - aber auch auf Umwege und Schleichwege mit dem eigenen Auto. So schön es wäre, wenn z.B. Skater zwei Mal im Monat die Straße des 17. Juni für sich hätten: Wenn dadurch an anderer Stelle die Wohnqualität durch erhöhtes Verkehrsaufkommen leidet, ist das nicht akzeptabel. Hier möge sich bitte einmal jeder selbst fragen, ob er bereit wäre, für mehr Veranstaltungen am Tiergarten mehr Abgase und Lärm auf dem eigenen Balkon zu ertragen. Diese Probleme lassen sich nur im Rahmen eines Gesamtkonzepts lösen, das auch vernünftige Alternativen aufzeigt. So ist beispielsweise in einigen Städten – auch Großstädten – der öffentliche Nahverkehr innerhalb der Innenstadt kostenlos. Andere Kommunen haben durch geschickte Einbahnstraßensysteme oder auch eine City- Maut den innerstädtischen Verkehr entzerrt. Von alledem ist in Berlin aber nichts zu sehen. Und dass es diesem Berliner Senat gelingt, hier ein mutiges und innovatives Konzept durchzusetzen, wage ich zu bezweifeln.

Daniel Braunschweig,

Berlin-Schöneberg

Wenn man wie ich in Wedding wohnt, ist der 17. Juni die kürzeste Verbindung zum Beispiel zum KaDeWe, Wilmersdorfer Straße und so weiter. An den Wochenenden, an denen der 17. Juni für Veranstaltungen meist bis zum Ernst-Reuter-Platz gesperrt wird, verzichtet man also auf Einkäufe, z. B. auf dem Wochenmarkt Wilmersdorfer, oder man nimmt große Umwege in Kauf. Aber wer bezahlt mir den dadurch verursachten höheren Verbrauch an Benzin? Sicher nicht die Skater oder Radfahrer, und auch nicht Frau Künast. Und auch das befürchtete Verkehrschaos zur WM blieb nur aus, weil man während dieser Zeit auf viele sonst selbstverständliche andere Aktivitäten verzichtete. Aber das war ja eine Ausnahme, die man akzeptierte, und dabei, bei einer Ausnahme, sollte es auch bleiben.

Beate Kusterka, Berlin-Wedding

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben