Leserbriefe : Nur Fakten zählen

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Zu Friedbert Pflügers Position zu einer eventuellen Begnadigung von Christian Klar

vom 5. Februar

Ich stimme Herrn Pflüger zu, dass die Zeitspanne der Haft kein alleiniges Kriterium für einen Gnadenerweis sein kann.

Aber wie bitte erkenne ich tätige Reue, aufrichtiges Bedauern, Wahrheit? Niemand blickt einem anderen hinter die Stirn. Was für Möglichkeiten hat der Staat, bzw. sein höchster Repräsentant, zwischen Kalkül und Ernsthaftigkeit zu unterscheiden?

Ich störe mich an dem Wort „Gnade“, die ein Mensch eigentlich nicht gewähren kann. Das ist ein göttlicher Begriff, nach Luther ein Geschenk, das unabhängig von irgendwelchen Werken oder Bemühungen einem Menschen zuteil wird.

Seine negative Entsprechung wäre dann „Rache“? Und gilt „lebenslänglich“ nur für politische Mörder? Ist das Leid der Hinterbliebenen jemals weniger stark, wenn der Täter ein Reuebekenntnis ablegt? Das alles ist nicht erfassbar. Ältere Aussagen von Christian Klar sagen nichts aus über sein heutiges Denken. Herr Pflüger kann das allenfalls vermuten, aber das ist keine Gewissheit. Die gibt es auch nicht bei einem öffentlichen Bekenntnis oder bei einem anderen Täter.

Ein Gericht urteilt nach Fakten, „jenseits allen vernünftigen Zweifels“.

Angelika Oden, Berlin-Lichterfelde

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