Leserbriefe : Nur Kondome verhindern Aids-Infektionen

„Die Hoffnung lebt“ von Bas Kast und

Hartmut Wewetzer vom 1. Dezember

Mehr als geschätzte 33 Millionen HIV-infizierte Menschen weltweit, 2,5 Millionen Neuinfektionen in diesem Jahr, 15 Millionen Waisenkinder, in Afrika stirbt eine ganze Generation – die Folgen sind verheerend. Diese Fakten zeigen die dramatischen Dimensionen der Pandemie.

Die Aussage „Irgendwann geht jeder Epidemie der Atem aus“, es gebe Indizien, dass sich die Seuche abschwäche, entspricht leider keineswegs der Realität. Die korrigierten HIV-Zahlen beruhen vor allem auf neuen und genaueren Erhebungsmethoden und sind nach wie vor ungefähre Schätzungen. Angesichts von 2,5 Millionen Neuinfektionen sind wir von einer Beherrschbarkeit von Aids leider meilenweit entfernt: Weder ist die Entwicklung eines Impfstoffes in naher Zukunft realistisch, noch sind auf Dauer die Kosten einer medikamentösen Therapie für alle Betroffenen tragbar. Das wichtigste Element in einer Aids-Bekämpfungsstrategie muss daher weiterhin Prävention sein, die Neuinfektionen verhindert. Ohne entsprechende Aufklärungsmaßnahmen und Schutz vor dem Virus durch Kondome erleiden weiterhin Millionen Menschen das schreckliche Schicksal einer unheilbaren Krankheit. Auch unter Therapie besteht die Gefahr von Resistenzbildungen, abgesehen von schweren Nebenwirkungen der Medikamente. Ein Leben mit Aids ist auch heute kein leichtes: HIV-infizierte Menschen leiden nicht nur unter starken gesundheitlichen Einschränkungen, sie müssen immer noch gegen Diskriminierung und Stigmatisierung kämpfen und sind in den meisten Fällen von Armut bedroht.

Die Formulierung „Wachsamkeit ist also weiterhin angebracht“ ist vor diesem Hintergrund verharmlosend: Gemeinsame Anstrengungen aller Akteure, der internationalen Staatengemeinschaft und der Zivilgesellschaft, mehr Fachkräfte – gerade in den am stärksten betroffenen afrikanischen Ländern, mehr Geld, mehr Forschung und bessere Präventionsmaßnahmen sind unabdingbar, damit die weitere Ausbreitung des Virus gestoppt werden kann.

Dr. Ulrich Heide, Geschäftsführender Vorstand Deutsche Aids-Stiftung, Bonn

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