Leserbriefe : Nur nicht zu viel Demokratie

„SPD sucht die Konfrontation mit

den Kirchen / Sozialdemokraten erwägen, als Antwort auf das Volksbegehren

,Pro Reli‘ den Ethikunterricht schon

ab Klasse 1 zum Pflichtfach zu machen“

von Susanne Vieth-Entus vom 8. Mai

Willkommen in Berlin, der Hauptstadt der DDR. Endlich sind sie wieder da, die Volksbeglücker, die wissen, was für das Volk gut ist. Und wie immer wollen sie nur unser Bestes. Darum soll das Volk auch nicht wählen dürfen. Es könnte ja das Falsche wählen. Die Initiative „Pro Reli“ will aber eine Wahlmöglichkeit zwischen den Fächern Ethik und Religion. Diese traut offenbar den Eltern und jugendlichen Schülern zu, eine für sie stimmige Entscheidung zu treffen.

Aber nein, so viel gelebte Demokratie nun doch nicht. Wir Deutschen haben doch gute Erfahrungen damit gemacht, wenn der Staat bestimmt, welche Werte die richtigen sind, und wie man diese am besten lehrt. Ein Schelm, wer da an Staatsbürgerkunde und Ähnliches denkt.

Was treibt sie nur, unsere Regierenden, dass sie sich nicht auf ihr Kerngeschäft beschränken und gute Rahmenbedingungen schaffen, für die, die von den Inhalten Ahnung haben?

Frank Lindemann, Berlin-Friedenau

Der Konfrontationskurs der Berliner SPD gegenüber den christlichen Kirchen ist für mich nicht nachvollziehbar.

Bei aller durchaus berechtigten Religionskritik sollten sich die Politiker von Linkspartei und SPD vielleicht noch einmal die Umwertung aller Werte in den totalitären Diktaturen des 20. Jahrhunderts in Erinnerung rufen. Der Turbokapitalismus des 21. Jahrhunderts vermittelt keine Werte oder befördert eine gelingende Persönlichkeitsentwicklung, die Kritik und Widerstand, das Eintreten für die Unantastbarkeit der Menschenwürde erst ermöglichen.

In Zeiten eines immer primitiveren Materialismus – Dieter Bohlen als Erzieher – muss die schulische Bildung ein Gegenpol sein und die Zivilgesellschaft für ihre Grundwerte eintreten.

Markus Erich-Delattre, Hamburg

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