Leserbriefe : Nur wenige Ausländer machen ihr Examen

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„Streit um den Studienabbruch“

vom 27. Juni 2005

Ob man von „Erfolgsquote“ und „Erfolg“ sprechen kann, wenn nur zirka fünfzig Prozent der Studienanfänger in Berlin ihren Abschluss schaffen, sei dahingestellt. Statistische Angaben zu den Erfolgsquoten an Berliner Hochschulen – da bleiben gereizte Reaktionen der Hochschulen auf die Äußerungen von Thilo Sarrazin nicht aus. Die Behauptung von Herr Warnecke, dass die Statistiken keine Rückschlüsse auf die wirkliche Zahl der Studienabbrecher zulassen: stimmt. Aber: trotz aller methodischen Schwierigkeiten und trotz des HochschulStatistik-Gesetzes sind die Zahlen im Prinzip leicht und differenziert zu ermitteln, wenn die Hochschulen dies wünschen. Ob Sie dies immer wünschen, bleibt offen.

Ein Beispiel: Wir versuchen seit Anfang März dieses Jahres von allen Berliner Hochschulen Daten zu Abbruchs- und Schwundquoten der ausländischen Studierenden zu erhalten. Bis jetzt leider ohne Erfolg, wobei wir hinzufügen müssen, dass wir von den drei großen Universitäten zumindest eine Rückmeldung erhalten haben, während die Fachhochschulen sich gänzlich in Schweigen hüllen.

Warum, und wie brisant das Thema ist, zeigt eine Studie von Ulrich Heublein, Dieter Sommer und Birgitta Weitz aus dem Jahr 2004, in Auftrag gegeben vom Deutschen Akademischen Austauschdienst. Die Autoren nennen die Ergebnisse „brisant“: Auszugehen ist nach dieser Studie davon, dass lediglich zirka 25 bis 33 Prozent aller ausländischen Studierenden das Examen an einer deutschen Hochschule schaffen. Die Schwundquote – bezogen auf die einzelne Hochschule – beträgt bei ausländischen Studierenden 66-75 Prozent – gegenüber 20 Prozent bei ihren deutschen Kommilitonen. Grob geschätzt, haben nach acht Jahren Studium lediglich 20 Prozent der ausländischen Studierenden einen Hochschulabschluss geschafft.

Thomas Kampling, ISA – Internationale Studienakademie Berlin

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