Leserbriefe : Öfter mal die Bibel lesen

Zur Landtagswahl in Hessen und Niedersachsen

In Hessen hatten die Bürger es nun wirklich leicht, eine Wahl zu treffen zwischen bürgerlicher Mitte und einem Linksbündnis. Die bürgerliche Mitte hat die Mehrheit nicht bekommen, also muss jetzt das Linksbündnis regieren, so einfach ist das. Ich persönlich würde ein Linksbündnis nie wählen, aber deshalb muss ich doch als Demokrat die getroffenen Ergebnisse akzeptieren. Wenn Frau Ypsilanti mit den Linken nicht zusammenarbeiten will, dann muss es ein anderer aus der hessischen SPD machen, in Berlin kann die SPD es doch auch.

Paul Schmitz, Bad Münstereifel

Der brutalstmögliche Aufklärer (Roland Koch) hat in Hessen die brutalstmögliche Wahlschlappe erlitten und dennoch einen brutalstmöglichen Minimalvorsprung gegenüber der SPD erzielt. Somit äußert sich Koch dahingehend, dass er den brutalstmöglichen Wählerauftrag erhalten hat, eine Regierung zu bilden. Was würde wohl Heinrich Heine zu einer derartigen unergründlichen Beschränktheit politischen Geistes sagen?

Dr. Udo Küppers, Bremen

„Geldgier ist eine Wurzel allen Übels“ schreibt der Apostel Paulus an seinen vertrauten Mitarbeiter Timotheus. Wenn man sich die Ergebnisse der Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen ansieht, dann erkennt man, Paulus hatte recht. Der Erfolg der Linkspartei ist doch darauf zurückzuführen, dass aus unserer sozialen Marktwirtschaft ein unsozialer Kapitalismus geworden ist. Wenn einem Vorstandsvorsitzenden sein Millionengehalt erhöht wird, weil er Stellen einspart und damit die Arbeitslosenzahl erhöht, wenn Nokia nach Subventionen die schwarzen Zahlen nicht schwarz genug sind, wenn Spitzengehälter ohne Grenzen steigen und der Spitzensteuersatz gesenkt wird, dann ist es kein Wunder, dass die Linke einen solchen Zulauf bekommt. Und das wird noch zunehmen, wenn Ackermann und Co. bei uns das Sagen haben. Die Ergebnisse von Bundes- und Landtagswahlen werden uns noch viele Schwierigkeiten bereiten, wenn christlich soziales Verhalten immer mehr abnimmt. Die Empfehlung, öfter mal die Bibel zu lesen, ist also gar nicht so verkehrt.

Dr.-Ing Jan-Derk Aengeneyndt,

Berlin-Lankwitz

Schon nach der letzten Bundestagswahl, aber insbesondere nach den Wahlen in Niedersachsen und Hessen ist zwar viel geredet und analysiert worden, ohne das eigentliche Problem, das sich insbesondere in den weiter sinkenden Wahlbeteiligungen niederschlägt, wirklich beim Namen zu nennen. Fest steht, dass die Wähler die nicht richtig greifbare Verantwortlichkeit Ihrer gewählten Mandatsträger der etablierten Parteien leid sind, die sie nur noch als nicht weiter zu beachtendes Stimmvieh für ihre Macht- und Pfründeinteressen zu nutzen scheinen.

Denn nach den Wahlen pflegen sie in ihren Koalitionsvereinbarungen faule Kompromisse einzugehen und möchten auch sonst nicht gerne an ihre Wahlaussagen und Wahlversprechungen erinnert werden, weil sie immer geneigt sind zu tun, was sie gerade aus ihrem parteipolitischen und eben leider nicht wählerbezogenen Interesse für opportun erachten.

Da personenbezogene Mehrheitswahlen mit entsprechenden Verantwortlichkeiten der Mandatsträger gegenüber ihren Wählern in unserer Republik nicht durchsetzbar sind, werden sich zukünftig viel schneller als die Parteistrategen und die meinungsbildenden Journalisten es erahnen zu Lasten der etablierten Volksparteien eine Vielzahl von kleinen Klientelparteien mit ganz gezielten programmatischen Vorstellungen den Wählern als Wahlalternative und ggf. durchsetzungsfähige Koalitionäre andienen, zumal dies unserem Verhältniswahlrecht eigentlich auch besser entsprechen dürfte.

Dr. Christian-Friedrich Eigler,

Berlin-Charlottenburg

„Lob der Zuspitzung“ von Stephan-Andreas Casdorff vom 29. Januar

Für diesen Artikel habe ich dem Autor eine Kerze auf meinem virtuellen Hausaltar gestiftet. Koch ist auch für mich kein Sympatieträger, aber er hat eine überfällige Auseinandersetzung eröffnet, wenn auch nicht aus Altruismus.

Er scheint mir neben seiner Arroganz hauptsächlich an seiner Schulpolitik gescheitert zu sein. Nach jahrzehntelanger SPD-Nivellierungspolitik, die in den hessischen Randgebieten zu Bayern und Baden-Württemberg den eklatanten Leistungsunterschied für jeden sichtbar machte, hat er Abi nach zwölf Klassen und Leistungsverdichtung für Schüler und Lehrer verordnet. Zumutungen sind aber megaout. Und dann noch die Gereschtichkeit, ei so was, welche denn? Und alles so öggologisch korrekt. Wer liefert denn den Hessen künftig Strom, wenn Windstille herrscht und keine Sonne die Solarzellen beheizt? Französische Kernkraftwerke vielleicht? Da bahnt sich so etwas wie die Ironie des Schicksals an.

Hans-Olaf Schmidt, Andernach

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