Leserbriefe : Öfter mal was Neues

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„Zöllner gegen Pflicht zur Früheinschulung“ vom 31. Januar

Nach drei Jahrgängen soll die Pflicht zur Einschulung mit fünf Jahren wieder abgeschafft und durch eine flexiblere Regelung ersetzt werden. Die Kinder hätten zu große Entwicklungsunterschiede. Man muss sich ernsthaft fragen, ob in der Bildungsverwaltung nur Blinde und Fachfremde sitzen. Dass Kinder zu diesem Zeitpunkt große Entwicklungsunterschiede haben, ist doch nicht erst seit dem Amtsantritt von Herrn Zöllner bekannt.

Was ist das für eine „Bildungspolitik“, die alle drei bis vier Jahre eine neue Sau durchs Dorf treibt und keinerlei Rücksicht auf die Betroffenen nimmt: Kinder und ihre Eltern und die Schulen, die sich ständig neuen Vorgaben anpassen müssen. Ernst nehmen kann man in dieser Bildungsverwaltung niemanden mehr.

Britta Sommer, Berlin-Friedenau

Dank des neuen Schulsenators scheint man sich nun der Einsicht nicht mehr zu verschließen, dass Kinder, die bei Beginn der Schulpflicht körperlich, geistig oder seelisch noch nicht so weit entwickelt sind, um am Unterricht der ersten Jahrgangsstufe der Grundschule mit Erfolg teilnehmen zu können, die Möglichkeit der Zurückstellung erhalten müssen. Nun stellt sich allerdings die Frage: Wo werden diese Kinder dann aufgenommen und gefördert? Hier bestätigt sich, dass es ein großer Fehler war, die Vorklassen abzuschaffen. Gerade für die „Kleinen“ war und ist es wichtig innerhalb von Schule erste Erfahrungen zu machen, um auf die Schule und somit die Schulanfangsphase vorbereitet zu werden. Allerdings werden gut ausgebildete und motivierte Vorklassenleiter nicht mehr mit den ihrer Ausbildung entsprechenden Aufgaben konfrontiert, sondern sie müssen sich in der Mehrzahl mit der „Beaufsichtigung und sog. Betreuung“ der Kinder auseinandersetzen. Den versprochenen Reformen zur Besserung der Bildungsqualität steht eine desolate schulische Wirklichkeit entgegen. Nicht nur im Schul-, VHG- und Hortbereich rächt sich, dass die Rahmenbedingungen ausschließlich an Finanzen, nicht aber an den pädagogischen Notwendigkeiten orientiert sind. Eine Mehrheit von Eltern und Lehrern ist für die Wiedereinführung der Vorklassen an der Grundschule. In Sachsen, Hamburg und Hessen z. B. ist man sich der Notwendigkeit von Vorklassen bewusst und hat sie beibehalten. Warum wird dies nicht in Berlin realisiert?

Harald Graaf, Berlin-Zehlendorf

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