Leserbriefe : Öl ist der Sand in den Augen der Friedensfreunde

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Betrifft: Die Lage im Irak

Ein Ruck geht durch Deutschland: Eine riesige Gemeinschaft der Guten, die nichts anderes will als Frieden und sich einig ist: Die Schuldigen sind die USA. Alles nur schießwütige Cowboys diese Amerikaner, gierig nach Öl. Dass diese Sicht womöglich zu einfach ist, darüber wird wenig nachgedacht. Das Argument, dass die Amerikaner Krieg führen, um an das Öl im Irak heranzukommen, ist dümmlich. Es wird nicht dadurch besser, dass es auch von Umweltminister Trittin vorgetragen wird. Hier sind wir an einem Punkt, wo man zu Recht von Antiamerikanismus sprechen kann. Denn unabhängig davon, wer im Weißen Haus regiert, unterstellt offensichtlich eine Mehrheit in Deutschland den Amerikanern in der Verfolgung ihrer Ziele immer nur Geldgier und Profitsucht.

Aber wie war es in Bosnien und im Kosovo? Viel zu lange hatte das „gute alte Europa“ tatenlos zugesehen, wie Milosevic Menschen abschlachtete. Dann griffen die Amerikaner militärisch ein, und erst dann besannen sich die Europäer. Und wie viele Tonnen Öl nahmen die Amerikaner anschließend mit nach Hause? Keine einzige. Es gibt dort kein Öl.

Wenn es den Amerikanern nur um Öl gehen würde, hätten sie nach dem zweiten Golfkrieg im Irak bleiben müssen, um die Ölfelder auszubeuten. Sie haben es nicht getan. Auch heute könnten sie viel schneller und billiger an das Öl herankommen. Sie müssten sich nur für ein Ende der Sanktionen gegen den Irak einsetzen. Aus rein wirtschaftlicher Sicht macht der Feldzug gegen Saddam Hussein keinen Sinn. Im Gegenteil, der Krieg birgt ein für die USA hohes wirtschaftliches Risiko, weil der Krieg riesige Summen von Geld kostet.

Die wenigsten wissen vielleicht, dass Frankreichs Präsident Chirac, der sich gerne als Kämpfer für den Frieden präsentiert, über den Ölkonzern TotalFinaElf mit Saddam Verträge abgeschlossen hat, die nach einer Lockerung oder Rücknahme der Sanktionen Frankreich das Recht einräumt, die Ölfelder an der Grenze zum Iran auszubeuten. Da geht es um Milliarden.

Hartmann Schmige, BerlinWilmersdorf

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