Leserbriefe : Ohne Berufsausbildung fehlen der Jugend wichtige Werte

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Betrifft: Wachsende Jugendkriminalität

Wieder einmal ist in diesem Land die Jugendkriminalität gestiegen. Und natürlich denkt man über Ursachen nach. Perspektivlosigkeit durch schlechte Konjunktur und Arbeitslosigkeit, Gewaltdarstellungen im Fernsehen und immer aggressivere Werbung, Verlust familiärer Bindungen, Rivalität verschiedener ethnischer und politischer Gruppen usw.

Das Bequeme an diesen Ursachen für die Politik ist, dass es sich um Sachverhalte handelt, die nun einmal so sind wie sie sind und dass man daran doch eh nichts ändern könne. Deshalb sollte man einmal zur Abwechslung den Blick auf künftige, absehbar negative, politisch verursachte Veränderungen werfen, die sich gegenwärtig noch verhindern ließen: zum Beispiel die geplante Veränderung der Handwerksordnung! Die Bundesregierung ist gerade dabei, für eine große Zahl von Ausbildungsberufen eben diese Ausbildung weitgehend zu zerstören; Nebeneffekt wird aber sein, dass ein wichtiger Erziehungs und Sozialisierungsprozess für eine große Zahl Jugendlicher und junger Erwachsener ersatzlos gestrichen wird.

Die Berufsausbildung hat, trotz eventueller Mängel, einen nicht zu unterschätzenden stabilisierenden Einfluss auf junge Menschen. Ihnen wird ein Ziel gegeben, sie werden auf negative Verhaltensweisen hingewiesen, in der Regel ohne gleich mit drastischen Maßnahmen rechnen zu müssen. Sie erleben einen Übergang zwischen Jugend und Erwachsensein und erhalten nicht zu letzt durch eine bestandene Prüfung einen positiven Effekt für das eigene Selbstwertgefühl. Die weitgehende Zerstörung dieser wichtigen Werte vermittelnden Lebensphase werden wir dann in den nächsten Jahren als eine weitere Ursache für Kriminalität auflisten können.

Wolfgang Kersten, Berlin-Lichtenrade

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