Leserbriefe : Opels Erfolg bemisst sich nicht nach Jobs

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„Opel streicht 10000 Stellen, Karstadt 5500“ vom 15. Oktober 2004

Irre ich mich? Sind es nicht staatlich finanzierte Professoren an staatlichen Universitäten, die Krawatte tragenden BWLStudenten beibringen, wie Wirtschaft funktioniert?

Mit dem geringsten Aufwand, so wird Studenten hierzulande und natürlich auch in den USA eingetrichtert, solle der größte Ertrag erzielt werden. Der Erfolg werde ausschließlich am Gewinn und nicht an der Zahl der Arbeitsplätze gemessen. Dieser Theorie widerspricht niemand, sagt doch der gesunde Menschenverstand genau das Gleiche.

Kein Unternehmer und Existenzgründer auf dieser Welt wünscht sich vordringlich, sein von der Verwandtschaft geborgtes oder erspartes Kapital dafür auszugeben, um teure Löhne zu bezahlen. Er will (wie jeder Arbeitnehmer) mit möglichst wenig Aufwand sein Einkommen verdienen, anstatt Pleite zu gehen. Wenn im Gegensatz dazu staatlich alimentierte, umsatzunabhängig tätige Politiker aller Couleur stets das betriebswirtschaftlich Gegenteilige fordern, dann vermute ich, dass diese Abgeordneten und Minister in o.g. zitierten Vorlesungen gefehlt haben müssen. Endverbraucher lassen sich nun einmal nicht per Gesetz dazu verdonnern, einen Opel oder Nissan zu erwerben.

Wenn zudem auch noch Millionen profitgierige Kleinanleger, auch jene in Rüsselsheim und Bochum, allabends besorgt auf die vom Fernsehen präsentierten Börsenkurven starren, so werden auch von diesen Arbeitnehmern purer Gewinn, Tantiemen und Wertsteigerungen erwartet. Wer unwirtschaftliche Arbeitsplätze um jeden Preis schaffen und erhalten will, wie jene in der öffentlichen Verwaltung, muss eine andere Republik wollen. Die betriebswirtschaftliche und mit Tamtam gescheiterte BWLLangzeit-Studie „DDR“ hatten wir im eigenen Lande. Vielleicht geht der politische Trend wieder in diese Richtung?

Ich sorge daher vor und biete meine GmbH in vorbeugender Unterwerfung zur Verstaatlichung an. Ich erwarte im Gegenzug einen unkündbaren Posten als Leiter dieses Kombinats, mit 42-Stunden-Woche, sechs Wochen Urlaub sowie zweimal zwei Wochen Grippe und verpflichte mich im Gegenzug, 1000 neue und staatsfinanzierte ABM-Werktätige einzustellen.

Meinrad Müller, Geschäftsführer, Alpenland GmbH, Grafrath bei München

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