Leserbriefe : Pandoras Büchse ohne Deckel

„G-20-Gipfel / Üben für die Weltregierung“ von Harald Schumann und „Masterplan zur Rettung der Welt“ vom 3. April

Harald Schumanns wohltuend kritischer Leitartikel zum Londoner Finanzgipfel sieht in dem „Masterplan zur Rettung der Welt“ nur eine „Übungseinheit auf einem langen Weg“ zur Weltregierung.

Denn trotz der strengen Regeln für die internationalen Finanzmärkte und der schärferen Kontrollen von Banken, Hedgefonds, Steueroasen und Ratingagenturen sowie trotz der besseren Finanzausstattung und der geplanten Reformen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank ist Skepsis für die Neuordnung des Weltfinanzsystems angesagt.

Zum einen haben die Staats- und Regierungschefs der G-20-Staaten auf Betreiben der USA und Großbritanniens keine wirksamen Sanktionsmechanismen gegen Staaten beschlossen, die die gemeinsamen Regeln verletzen. Zum anderen bleibt es offen, wie die Staaten die Vorgaben der G 20 tatsächlich in nationales Recht umsetzen und ob sie bereit sind, nationale Souveränitätsrechte an eine globale Finanzaufsicht des „Rates für Finanzaufsicht“ (Financial Stability Forum/FSF) in Basel abzutreten. Wenn diese beiden Fluchtportale nicht überzeugend geschlossen werden, wird der Wettbewerb um Standortvorteile, der laut Schumann „weltweit den Wettlauf der Staaten um die schwächste Regulierung der Finanzindustrie antrieb und so den Exzessen der Banker Tür und Tor öffnete“, weitergehen und als Büchse der Pandora noch mehr Unheil über die ganze Welt bringen. Die Welt steht tatsächlich an einem Scheideweg, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel treffend vor dem G-20-Gipfel geäußert hatte. Dies gilt leider auch noch nach der Londoner Konferenz!

Hans-Henning Koch,

Berlin-Wannsee

Masterplan zur Rettung der Welt? Ich meine, der G-20-Gipfel hat abgesehen von Absichtserklärungen nichts gebracht. Die Zocker, die der Welt den ganzen Schlamassel beschert haben, können mit ziemlicher Sicherheit in absehbarer Zeit weiterzocken - bis es wieder kracht. Und wer bezahlt jedesmal die Zeche, während diese Leutee in ihren schönen Villen sitzen und es sich gutgehen lassen?

Markus Methner, Berlin-Köpenick

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