Leserbriefe : PASSION CHRISTI Jesus wäre entsetzt

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Betrifft: „Das Kreuz mit der Passion“ vom 27. Februar 2004

Als besonders antisemitisch gilt der in Mel Gibsons Jesusfilm aus der Bibel zitierte Ausruf der Juden: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder“ (Matth 27,25). Wenn, ja wenn eine gewisse Menge von Juden einst diesen Satz gerufen haben sollte, dann können Christen ihn doch keinesfalls als Begründung für eine Kollektivschuldthese (die immer falsch ist) missbrauchen. Erstens war es nur – wenn es stimmt – einst eine überschaubare Anzahl von jüdischen Menschen und nicht das gesamte Judentum der letzten 200 Jahre, und zweitens war es – entscheidend für Christen, damals wie heute – doch das Blut des Erlösers, der sein Blut vergossen hat für alle Menschen, auch für seine Feinde, denen sein Gebot gilt: „Liebet eure Feinde!“ (Matth 5,44 und Lk 6,27). Der Jude Jesus jedenfalls liebte sein Volk und nicht nur dieses. Er wäre entsetzt darüber, dafür herhalten zu müssen, dass sein eigenes Volk jahrhundertelang diskriminiert und verfolgt, ja schließlich in ungeheuer großer Zahl vernichtet wurde.

Der lange Artikel ist leider sehr feuilletonistisch geschrieben. Da heißt es, dass „die von Paulus ein Jahrhundert nach dem Tod begonnene Missionierung der griechischen und römischen antiken Welt begann“. Da war Paulus schon längst tot. Laut Meyers Lexikon starb er in Rom im Jahr „60 oder 62(?)“. Die erste Missionsreise fand 45 bis 49 statt. Seine ersten beiden Briefe schrieb er im Winter 50/51 an die Thessalonicher.

Christoph Hönig, Berlin-Zehlendorf

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