Leserbriefe : Pech gehabt

„Die Probleme der anderen / Kreuzberger Elternprotest: Keiner der BVV-Fraktionsvorsitzenden hat ein Kind im Kiez auf der Schule“ von Claudia Keller vom 26. Juni

Wie unverschämt ist das denn: Bildungsbewusste Kreuzberger Eltern sollen nicht fliehen, sondern ihre Kinder in Problemkiezen einschulen und sich dort so engagieren, dass die Qualität steigt. Sie (Frau Hauser-Jabs) hätte das vor 25 Jahren in der Schule ihrer Tochter am Hermannplatz auch gemacht.

Jetzt wird also nicht nur die Schule zugewiesen und man hat halt Pech, wenn die soziale Mischung nicht der Vorstellung entspricht, wenn man sich eigentlich eine andere Lernform, bestimmte Angebote, Ganztagsbeschulung oder eben nicht wünscht. Jetzt soll man doch bitte schön selber die Qualität der Schulen in Problemkiezen verbessern, indem man als Eltern etwas tut. Tolle Idee: Ich schule mal eben freudig unsere Töchter an unserer Einzugsgebietsschule am Hermannplatz ein, freue mich über mehr als 90 Prozent Migrantenanteil und die bekannten Probleme, die das mit sich bringt, und gebe dann am besten meinen Beruf auf, um Vollzeit unentgeltlich das auszubaden, was da offenkundig an so einigen Schulen schiefläuft (so kann man vielleicht auch Personal sparen).

Ist doch auch logisch, das von bildungsbewussten Eltern einzufordern, wenn sie sich erdreisten, ihren Kindern eine gute Schulbildung und ein förderndes und forderndes Lernklima zu wünschen und sich nicht mit den von der Politik verbockten Schulkatastrophen zufrieden geben. Und vielleicht sollte man sich, wenn man meint, etwas von Eltern heute verlangen zu können, weil man das vor 25 Jahren ja auch gemacht hat, vor Augen führen, dass die Situation vor 25 Jahren auch noch eine andere war.

Karoline Koeppe, Berlin-Neukölln

(bis zur Schulpflicht der ältesten Tochter)

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