Leserbriefe : Pflege ist mehr als Hilfe

„Hauptschule ist nicht minderwertig“

vom 7. Mai

Fakt ist: Der Bedarf an Pflegekräften kann nicht mehr gedeckt werden, und Schüler mit Hauptschulabschluß haben in unserer heutigen Gesellschaft weniger gute Berufschancen. Seit Jahrzehnten werden Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen mit Einsparungen im pflegerischen Bereich vollzogen. Jetzt soll der Pflegeberuf dafür herhalten, den Hauptschulabschluß aufzuwerten. Ich arbeite seit 19 Jahren als examinierte Krankenschwester, und in dieser Zeit haben sich die Arbeits- und Rahmenbedingungen in der Pflege massiv verschlechtert. Aber anstatt die Bedingungen zu verändern, die die Pflegekräfte zum Ausstieg aus dem Beruf bewegen, sollen die Zugangsvoraussetzungen zur Ausbildung verändert werden. Pflege wird meist nur im Zusammenhang mit der direkten Pflege von Menschen verstanden und wird auf dieser Ebene von Außenstehenden eingeengt auf die körperliche Unterstützung. Pflege beinhaltet jedoch neben der fürsorglich-begleitenden Pflege präventive, kurative, rehabilitative und palliative Konzepte, die je nach Bedarf des Pflegebedüftigen zum Tragen kommen. Die Aus-, Fort- und Weiterbildung in der Pflege hat sich in den letzten Jahrzehnten dank der Pflegewissenschaft und den Erkenntnissen aus der Pflegeforschung qualitativ sehr verbessert.

Ich finde, dass das eine großartige Leistung für einen Berufsstand ist, der immer mit knappen Ressourcen und mangelnder gesellschaftlicher Anerkennung zu kämpfen hat. Durch die gestiegene fachliche Qualität in unserem Beruf wächst das Selbstbewusstsein der Pflegefachkräfte und das ist dringend nötig, denn Pflege ist mehr als ein nichtärztlicher Hilfsberuf! Ich hoffe, dass sich viele gegen diese Gesetzesinitiative wehren werden!Bettina Schoeley, Berlin-Moabit

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