Leserbriefe : Politik hat das Rentensystem an die Wand gefahren

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Betrifft: „Wenn die Alten Opfer bringen“ vom 8. Juni 2003

Unbedacht, um eine schärfere Bewertung zu vermeiden, finde ich es, der jüngeren Generation unreflektiert das Argument zuzuschreiben: „Warum sollen wir die vielen Rentner alimentieren, wenn wir selbst kaum noch etwas herausbekommen?“ Alimentieren heißt: jemandem Unterhalt gewähren. Hier wird, und das beklage ich, einmal mehr den Rentnern unterstellt, dass sie im Grunde von der arbeitenden Generation ausgehalten werden! Schon allein deshalb haben sie Kürzungen hinzunehmen, um den „Sozialstaat zu sichern“.

Über die Zuschüsse an die Rentenversicherungsträger werden vom Staat und damit von den Steuerzahlern, zu denen auch nichtarme Rentner gehören, die zahllosen Fremdleistungen alimentiert: zum Beispiel Renten für ehemalige DDRBürger, die keine oder nur wenige Beiträge in die Rentenkassen gezahlt haben; Ausfallzeiten für Mutterschutz, Krankheit, Arbeitslosigkeit. Das sind alles honorige und für einen Sozialstaat angemessene Gründe, die jedoch keinesfalls zu Lasten der Rentenversicherungsträger sondern aller Steuerzahler gehen müssen.

Die Politik versucht, der Öffentlichkeit den drohenden Konkurs des Rentenversicherungssystems einzureden, weil sie es einerseits mit Fremdlasten an die Wand gefahren hat und andererseits kein wirksames Rezept findet, die steigende Arbeitslosigkeit in den Griff zu bekommen und somit Beitragszahler fehlen. Die tatsächliche Alimentation der gut dotierten Beamtenpensionen, die vor allem den Ländern in den nächsten zwanzig Jahren unlösbare Probleme bis zur „Insolvenz“ bereiten wird, verschweigt sie wohlweislich.

Die Rentner aber, die heute nach einem jahrzehntelangen Arbeitsleben und entsprechend langer Beitragszahlung (mehr als 60 Prozent der Rentner beziehen eine Nettorente von weniger als 1000 Euro) werden von niemandem alimentiert! Sie haben einen durch Beitragszahlung erworbenen Rechtsanspruch auf dieses Einkommen, das in der Regel rechnerisch deutlich unter dem liegt, das sie über eine kapitalgedeckte private Lebensversicherung erhalten würden.

H.-Jürgen Borchelt, Berlin-Kladow

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