Leserbriefe : Recht billig

„Wir sind dann mal weg / Berlin will eine bundesweite Besoldungsobergrenze, damit weniger Lehrer abwandern. Ist das machbar?“ von Albert Funk und Christian Tretbar vom 5. Februar

Die Gehälter der Manager vom Staat unterstützter Banken sind auf 500 000 Euro gedeckelt. Herrn Wowereit erscheint es vielleicht deshalb recht und billig, dass auch Lehrer an ohnehin staatlichen Schulen nun ihre Bezüge gedeckelt bekommen sollen. Vielleicht erscheint es ihm aber auch einfach nur recht billig. Denn von den Bankerbezügen sind die Lehrer natürlich weit entfernt.

Aber bei den Banken gilt ja angeblich, dass man internationale Spitzenkräfte nicht verprellen darf, und da sind Gehälter in Höhe von rund zwei Bundeskanzlerinnen-Bezügen gerade ausreichend. Dass nun aber ein Wettbewerb um die Spitzenkräfte unter den Lehrern ausbricht, dass gilt es nach Herrn Wowereit dringend zu vermeiden. Wie verblendet muss man sein, um zu verkennen, dass sich der Wettbewerb nicht nur zwischen den Ländern als Arbeitgeber für Lehrer abspielt, sondern eben auch zwischen den Ländern und der freien Wirtschaft? Der Lehrermangel ist nicht ein Problem Berlins, sondern eines der gesamten Bundesrepublik. Und er beruht nicht auf der unterschiedlichen Vergütung in den verschiedenen Ländern, sondern auf der schlechten Vergütung für Lehrer überhaupt. Kein vernünftiger Mathematiker wird heute Lehrer werden wollen, wenn bei Banken und Versicherungen die Gehälter um Größenordnungen höher ausfallen.

Gerade Berlin mit seinen Bildungs- und Jugendproblemen sollte sich für eine bundesweite Verbesserung der Lehrerbezüge stark machen und mit gutem Beispiel vorangehen. Stattdessen fordert Berlins Bürgermeister eine bundesweite Deckelung. Herr Wowereit, der Mensch lebt nicht von Bread and Butter allein.

Dr. Elmar Hagemeyer, Berlin-Frohnau

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