Leserbriefe : Recht treffend

„Das Ende der Solidarität – Nach dem Motto ,Jeder für sich‘ streikten erst die Piloten, jetzt tun es die Lokführer, denn die Arbeitskämpfe werden brutaler“

von Holger Lengfeld vom 18. November

Holger Lengfeld ist eine sehr kluge und präzise Kurzanalyse der gegenwärtigen Situation der Arbeitswelt gelungen, vielen Dank!

Michael H. Korinth, Berlin-Nikolassee

Herr Lengfeld analysiert die aktuelle Arbeitskampfsituation recht treffend. Er führt sie auf die Deregulierung von Arbeit und Lohnpolitik zurück, was meiner Meinung nach aber zu kurz greift.

Es ist die Deregulierung unseres gesamten Lebens, die als Ideal den nur nach eigenem Vorteil ohne lästige staatliche und soziale Einschränkungen strebenden Menschen propagiert. Dies wird von den sogenannten Eliten vorgeführt (siehe Gehaltsentwicklung, Optionen, Abfindungen in den Führungsetagen der Wirtschaft), und jetzt wagen es frecherweise auch Leute mit Volksschulbildung wie die Lokführer, ihre Marktmacht auszuspielen und ihren Löffel in den Suppentopf zu halten. Eigentlich unverantwortlich, denn die müssten doch an das große Ganze denken, und außerdem hätte man ihnen doch ein so tolles Angebot gemacht! Aus dem Munde eines Bahnvorstands, der gerade reichlich bedient wurde und das (natürlich im Wesentlichen auf sein Wirken zurückgehende) Superergebnis in die Welt hinausposaunt, klingt das etwas hohl. Soziale Marktwirtschaft sieht anders aus. Oder: Der Fisch fängt vom Kopf zu stinken an.

Wann werden wir uns darüber klar, dass wir uns von unseren „Eliten“ mit ihrem unkritischen Deregulierungs-/Privatisierungswahn auf einen Irrweg haben führen lassen?

Horst Schiemann,

Berlin-Friedenau

Solidarität wird in unserer Gesellschaft immer mehr zum Fremdwort, „Jeder für sich“ ist ein Motto, das nicht nur in der Arbeitswelt, sondern in allen Bereichen der Gesellschaft immer mehr um sich greift. Rücksichtnahme und Füreinander-Einstehen sind „out“. Das ist eine Entwicklung, die erschreckt. Ein Rätsel sind für mich die Ursachen. Ist es die Perspektivlosigkeit der Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz, die Angst aller vor dem sozialen Abstieg bei Arbeitslosigkeit, vor der keiner mehr sicher ist?

Wenn das so weitergeht, muss man sich ernsthaft Sorgen um die Zukunft machen. Ich finde, unsere Kinder haben Besseres verdient.

Andreas Bock, Berlin-Schöneberg

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