Leserbriefe : Regeln von gestern haben keine Zukunft

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„Drei Euro 50 Cent“ vom 11. August 2004

Ihre kleine Collage verschiedener Agenturmeldungen erhellt trefflich das OrthographieSommertheater, das von wenigen Institutionen und Personen inszeniert wird. Ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie im Einklang mit vielen Verlagen, die sich nicht so dramatisch gebärden wie Springer und Spiegel, der neuen Rechtschreibung treu bleiben. Die angeblich breite Ablehnung in der Bevölkerung beruht zum Teil auf einer allgemeinen Reformmüdigkeit, die zunächst Abwehr provoziert, und unzureichender Information. Ich werde meinen Schülern weiterhin raten, den Tagesspiegel zu lesen, um den Spiegel einen Bogen zu machen und um Gottes Willen nicht zu Bild oder BZ zu greifen, wenn sie nicht verunsichert werden wollen.

Hartmut Raatz, Berlin-Steglitz

Die durch einen obrigkeitlichen Willkürakt verunstaltete Orthographie des Deutschen, die seit 1998/99 leider auch in Ihrer Zeitung angewendet wird, hat mir vom ersten Tag an jegliches Lesevergnügen vergällt. Besonders die unsinnigen Auseinanderschreibungen fest stehender Begriffe, aber auch die zum Teil vollkommen absurden Änderungen in der Groß- und Kleinschreibung, manchmal in Kombination mit Auseinanderschreibung, und auch die überflüssige Häufung von Konsonanten stören den Lesefluss und die schnelle Worterkennung. Kurzum, die neue Rechtschreibung ist ein Missstand und gehört schnellstens abgeschafft.

Wolf W. , Hamburg

Vielen Dank, dass Sie es mir aufgrund Ihrer neutralen Haltung erspart haben, mein Abonnement bei Ihnen zu kündigen, so wie ich es tun musste mit meinem langjährigen Spiegel-Abonnement. Nach meiner Ansicht gehört es zu der Aufgabe der Printmedien, formend und nicht populistisch auf zum Teil eigene Belange Einfluss zu nehmen. Ich erfreue mich jahrelang schon an dem liberalen Zeitgeist des Tagesspiegels.

Jürgen Seeger, Berlin-Kreuzberg

Auch in Ihrer Zeitung sind immer wieder kritische Kommentare zur Rechtschreibreform zu lesen gewesen. Dennoch hängen viele Politiker und offensichtlich auch der Tagesspiegel an ihr und wollen nicht von ihr lassen. Ist es wirklich so schwer einzuräumen, dass man sich geirrt hat? Will Ihr Blatt zum kleinen gallischen Dorf werden, während der überwiegende Teil der Zeitungsauflage dieses Landes der Reform ein Ende gemacht hat? Nicht alles, was der Springer-Verlag macht, ist schlecht.

Andreas Heinzgen, Berlin-Charlottenburg

Ich erwarte, dass mein Tagesspiegel bei der bisherigen Rechtschreibreform bleibt und sich nicht an irgendwelche vermeintliche Trends anhängt, die Vergangenes aufwärmen wollen. Sollten Sie etwa auch auf das Vergangene setzen, suche ich mir eine andere Tageszeitung.

Hans-Joachim Bieletzki, Berlin-Wannsee

Von reformunwilligkeit triefende plattitüden und sprechblasen in medien und politik sind gefährlicher für die kinder und schülerinnen und schüler als eine gemeinsam mit den anderen deutschsprechenden ländern vereinbarte reform. Leider melden sich oder kommen diejenigen nicht oder kaum zu wort, denen eine solche reform hilft. Ich hoffe, dass alle leserinnen und leser, sofern dieser leserbrief veröffentlicht wird, trotz gemäßigter kleinschreibung den sinn erfassen.

Dieter Hölterhoff, Potsdam

Mir ist kein Fall bekannt geworden, dass jemand wegen eines orthographischen Fehlers eine schwere Freiheitsstrafe bekommen hätte. Vor Dudens Zeiten herrschte doch ein orthographisches Chaos. Wir dürfen ganz sicher sein, dass die Rechtschreibregeln sich weiter entwickeln werden. Man darf nur nicht den Ehrgeiz haben, auf Anhieb die perfekte Lösung zu finden.

Prof. Dr.-Ing. Berthold Krause, Berlin- Wilmersdorf

Die Verlage schüren Unsicherheiten auf dem Rücken der kleinen Leute. Die Zeitungen, sowieso mit den Neuigkeiten von gestern, schreiben dann auch noch mit den Regeln von vorgestern. Tolle Zukunft. Wir wollen kein Auslaufmodell. Wo bleibt der Blick nach vorne? Wo bleibt die Serie über die neue Rechtschreibung „Was sich vereinfacht“?

Dietmar Rampel, Bad Kreuznach

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