Leserbriefe : Religion gegen Stress und Grenzverlust

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„Junge Muslime werden immer religiöser“ vom 4. Januar 2005

Der Artikel suggeriert, dass stärkere religiöse Orientierungen insbesondere muslimische - zu mehr Fundamentalismus und Gewaltbereitschaft führen. Die geschilderten Entwicklungen mögen auf die beschriebene Kreuzberger Schule zutreffen, aber:

– Eine ausgeprägte religiöse Orientierung dient dem Stressabbau, einer besseren Krankheitsbewältigung, erleichtert den Umgang mit Trauer, Verlust und Grenzen, wirkt suchtvorbeugend und sinnstiftend.

– Zweifellos haben sich in manchen deutschen Großstädten problematische kulturelle Gettos herausgebildet. Die kürzlich im Bundesfamilienministerium vorgestellte Längsschnittstudie zeichnet allerdings auf der Grundlage von zweieinhalb Jahren Begleitung von fast tausend jungen Migrantinnen ein differenzierteres und anderes Bild: Religion ist für alle bedeutsam, jedoch ebenso Toleranz und gutes Deutsch. Weniger ethnische Gettos sind die Regel als gemischte Zuwanderermilieus, die ein interkulturelles Lernfeld darstellen.

Dr. Michael Utsch, Ev. Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Berlin-Mitte

In dem Artikel behauptet die Hamburger Soziologin Necla Kelek, „die Koranschulen seien vor allem dazu da, den Kindern die Unterwerfung unter Allah beizubringen“. Hierzu ist nichts zu sagen, denn der Islam bedeutet im weitesten Sinn: Frieden finden durch Gottergebenheit. Und was sie danach schlussfolgert, ist der größte Blödsinn, den ich bis jetzt gehört habe: „Der Familienvater und in weiterer Folge die anderen männlichen Familienmitglieder würden als Stellvertreter Allahs gelten...".

Unbestritten ist, dass viele türkische Familien besonders Schwierigkeiten haben, mit ihren Töchtern umzugehen. Alle gesellschaftlichen Gruppen müssen sich bemühen, dass die türkischen Familien ihre Kinder gerecht behandeln, besonders ihre Töchter. Diese ungerechte Behandlung kann aber auf keinen Fall der Religion Islam angelastet werden, höchstens der türkischen Tradition in ländlichen Gebieten.

Ahmet Algan, Berlin-Rudow

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