Leserbriefe : Respekt statt Pisa

Zur Berichterstattung über das Projekt

Gemeinschaftsschule

Die Befürworter der Gemeinschaftsschule führen immer nur an, warum das gegliederte Schulsystem in ihren Augen nicht funktioniert, jedoch konnte ich in der Forderung nach einer „Schule für alle" nicht erkennen, warum das Lernen an einer solchen Schule schon per se besser geeignet sein soll, den Bildungsnotstand zu beheben. Dass die Hauptschule in Berlin nicht gerade Vertrauen erweckend wirkt, ist sicher nicht umstritten. Nur frage ich mich, ob alles besser wird, wenn die teilweise problematischen Schüler dieser „Restschulen" dann einfach mit den Lernwilligen zusammengepackt werden...?

Ist es nicht – zumindest in der Theorie – so, dass gerade die verschiedenen Schulformen dem geforderten „konstruktiven Umgang mit der Verschiedenheit der Menschen" entsprechen? Wie kann man denn an einer Gemeinschaftsschule ohne leistungsdifferenzierten Unterricht der Individualität und damit auch der unterschiedlichen Motivation und den verschiedenen Interessen der Kinder gerecht werden? Die Autoren möchten sich auf die Verschiedenheit der Menschen einlassen - indem sie alle zum Abitur führen?

Warum beginnen wir nicht erstmal damit, allen Kindern den nötigen Respekt entgegenzubringen, den sie benötigen, um sich überhaupt vernünftig zu entwickeln? Müssen wir dazu das gesamte Bildungssystem auf den Kopf stellen?

Ich lasse mich übrigens auch gerne eines Besseren belehren; nur wäre es vielleicht hilfreich, in diesem Zusammenhang nicht immer mit den Schlagworten „Finnland" und „Pisa" zu argumentieren, sondern den Eltern zu erklären, wie genau im Einzelnen eine Gemeinschaftsschule funktionieren soll.

Yvonne Dohle, Berlin-Marienfelde

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