Leserbriefe : Rückt mehr Geld raus für die Kleinen

„Das Museum muss umziehen, die Ferienlager werden verkauft – Die Bezirke müssen weiter kräftig sparen.“ vom 12. Juli

Die Bezirke werden ausgepresst bis es staubt und der saftlose Rest dann sich selbst überlassen. Als ob die Folgen einer solchen Politik nicht bekannt wären.Aber stattdessen nölen alle, über die Bildungsmisere, den fehlenden Leistungswillen, die Kulturlosigkeit und die bösen Jugendlichen, vor allem die der „Unterschicht“, die man zwar erst durch genau die oben angedeutete Politik erzeugt hat; von der man sich jetzt aber angeekelt abwendet, sie sich selbst überlässt und verantwortlich macht für den Zustand ihrer „Verwahrlosung“ und Verrohung. Die Knäste platzen aus allen Nähten. Gerichte sind überlastet. Die Polizei sieht sich mit der ihr zugewiesenen Sozialarbeiter-Rolle überfordert.

In überfüllten Klassenzimmern sollen überalterte und sprachohnmächtige Lehrerkollegien mit jungen polylingualen Herausforderern klarkommen. Eliteuniversitäten werden geplant. Die Hauptstadt soll glänzen – in Bezirken: Insolvenzen. Bildungsoffensive heißt bei uns: schichtenselektive Investitionen, nach dem Motto: Wenn ich oben gieße, wird schon unten auch was ankommen. Da wo das Soziale brennt, in Neukölln, werden die Feuerlöschteiche verkauft. Aber die waren ja ohnehin schon am Ausgetrocknet-Werden: Das Gemeinschaftshaus und der Saalbau. Und jetzt wird das Zeltlagergelände in Pullenried und das an der Ostsee, Dänisch-Nienhof, verkauft. Da wo man gesittet Strandurlaub macht, haben diese kleinen Rotzgören ja sowieso schon immer gestört. Reicht ja, wenn sie die Neuköllner Straßen und Parks unsicher machen.

Wo, verdammt, ist eigentlich unsere Solidarität mit den „Neuköllner Unterschichts-Schmutzfinken mit Migrationshintergrund“, in den Kindergärten und Schulen, die es besonders schwer haben, weil man ihnen zusätzlich möglichst jede Chance nimmt sich zivil und kulturvoll weiter zu entwickeln? Chancengleichheit? Hallo. Aufwachen. Noch jemand interessiert an einem friedlich-freundlichen Miteinander? Oder alles egal? Und die Ghettozäune sind schon in Produktion? Mensch! Rückt bloß endlich genug Geld raus für die Kleinen – und vermehrt euer Glück beim Erleben der Blüte.

Günter Jankowiak,

Berlin-Schöneberg

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