Leserbriefe : Rücktritt aus Verantwortung für die Demokratie

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Betrifft: „Hysterie ist kein Ratgeber" im Tagesspiegel vom 27. Juli 2002

Die Meinung, wenn alle so streng mit sich wären wie Cem Özdemir, dann wäre vermutlich der halbe Bundestag nicht zu halten, könnte durchaus zutreffend sein. Doch genau diese Tatsache wirft ein bezeichnendes Licht auf die Bewusstseinslage eines Großteils der politischen Klasse hier zu Lande. Denn offensichtlich hat sich bei vielen Mandats- und Amtsträgern eine Haltung festgesetzt, bei der kein schlechtes Gewissen mehr empfunden wird, wenn auf Grund der politischen Funktion Vorteile, wie günstige Kredite oder Bonus-Meilen winken.

Doch genau das hier fehlende Unrechtsbewusstsein kann dazu führen, das immer mehr Menschen sich von Parteien und Politik angewidert abwenden. Politische Rattenfänger hätten dann ein leichtes Spiel.

Weil genau diese Situation nicht eintreten darf, hat der Rücktritt Cem Özdemirs nichts mit Moralismus, dafür aber umso mehr mit Verantwortung für unser demokratisches Staatswesen zu tun. Unsere Republik braucht wieder mehr Politiker, die Politik aus Überzeugung und Leidenschaft betreiben sowie in der Erkenntnis, dass eine Demokratie wie unsere vom politisch engagierten Bürger lebt.

Manfred Kirsch, Neuwied

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