Leserbriefe : Rühren wir in der Fernsehsoße

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Zum Vertragspoker Günther Jauchs

mit der ARD vom 25. November

Tagesspiegel-Autor Joachim Huber empfiehlt, den Vertrag mit Jauch von verschiedenen ARD-Gremien lesen zu lassen. Dazu wird es ganz bestimmt kommen, denn zunächst einmal gilt der Gremienvorbehalt – die Aufsichtsgremien der beteiligten ARD-Anstalten und somit auch, fürchte ich, der WDR, werden sich damit befassen müssen.

Ich mache einen ganz anderen Vorschlag. Rühren wir doch die ganze TV-Soße mal kräftig durcheinander: Demnächst lässt die ARD Ulrich Meyer den „Presseclub“ moderieren, die ARD leiht Frank Plasberg für „RTL-Explosiv“ aus und Fritz Pleitgen macht auf seine alten Tage, zumindest mal an Weihnachten vertretungsweise, das „RTL-Nachtjournal“. Zum Wohl auf das Erste!

„Ganz oder gar nicht“ lautet deshalb zwingend der Grundsatz, der hier gelten muss. Den Top-Star des Hauptmitbewerbers RTL für Sonntagabend als Leihgabe zu engagieren, das ist eine öffentlich-rechtliche Todsünde, ein Tabubruch. Erinnern wir uns an die Konvergenztheorien, die wir beim Start des kommerziellen Rundfunks im vorigen Jahrhundert leidenschaftlich diskutiert haben, jetzt soll aus der Theorie Wirklichkeit werden. Im Fall Jauch ist dies spektakulärer kaum vorstellbar – ein programmlicher und medienpolitischer Offenbarungseid. Aufs Spiel gesetzt wird die Unverwechselbarkeit der ARD und die des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gleich mit: Die ARD stellt sich ein erbärmliches Armutszeugnis aus, weil sie dem Publikum drastisch belegt, dass sie keine eigenen Leute hat, die so etwas können – und dass sie es nicht hinkriegt, jemand wie Jauch exklusiv zu verpflichten. Beckmann kam zurück zur ARD – exklusiv. Schmidt kam zurück – selbstverständlich ebenfalls exklusiv. Das muss zwingend auch für Jauch gelten, und wenn der Mann das nicht will, soll er gefälligst bei RTL bleiben.

Michael Kroemer, Mitglied des WDR-Verwaltungsrats, Dortmund

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