Leserbriefe : Samsung-Arbeiter schauen in die Röhre

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„Neue Proteste gegen Samsung“

vom 6. Oktober 2005

Die Samsung SDI Germany GmbH will ihre Bildröhrenproduktion für Fernsehgeräte am Standort Berlin zum Jahresende einstellen. Als Grund für die Werkschließung nannte die Unternehmensführung die gesunkene Nachfrage in Europa. Man könne in Asien und Indien günstiger zukaufen. Gleichzeitig interveniert die Berliner Senatsverwaltung. 30 Millionen Euro öffentliche Fördergelder sind in das Werk in Oberschöneweide geflossen. Das weckt Erinnerungen an „hochschwebende“ Projekte in Brandenburg, die erneut öffentliche Mittel zu verschlingen drohen.

Im Bundestagswahlkampf diesen Jahres war oft von „sozialer Kälte“ die Rede. Mitteilungen wie jene von Samsung bestätigen diesen Befund. Immer fraglicher erscheint einem in diesem Zusammenhang die Rolle des Staates: Wo liegen seine fehlenden Einflussmöglichkeiten in derartigen Konstellationen? Unstreitig dürfte sein, dass ein Unternehmen wie Samsung schon vor Jahren absehen konnte, dass die Bildröhren-Technik ein Relikt von gestern ist.

Hätte man es mit dem Erhalt von Arbeitsplätzen in Berlin ernst gemeint, wären deshalb auch schon vor Jahren die entsprechenden unternehmerischen Entscheidungen fällig gewesen, um dieses Ziel sicherzustellen. Darauf hinzuwirken ist Aufgabe lokaler Politik. Geldgräber leisten wir uns bereits genug. Bei zukünftigem „öffentlichem Unternehmenssponsoring“ muss über langfristige zweckgebundene Mittelvergabe nachgedacht werden. Ansonsten wird der Arbeitnehmer doppelt bestraft: Seine Steuerzahlungen fließen in Unternehmen, die ihm im Nachhinein seinen Arbeitsplatz streitig machen.

Michael Herma,

Berlin-Prenzlauer Berg

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