Leserbriefe : Schaut auf diese Borniertheit!

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Betrifft: „SPD blockiert: Reuter wird kein Ehrenbürger“ vom 17. Juli 2003

Mit Bestürzung und Kopfschütteln las ich, dass die jetzige Berliner Regierungskoalition nicht bereit sei, Ernst Reuter die Ehrenbürgerschaft posthum zu verleihen – und dies ausgerechnet kurz vor dem 50. Jahrestag seines Todes! Als Verfasser des Buches „Schaut auf diese Stadt. Der unbekannte Ernst Reuter“ (Berlin, Siedler Verlag 2000) befasse ich mich seit Jahren mit Leben und Werk dieses herausragenden Menschen. Gerade als NichtBerliner und Nicht-Deutscher lernte ich, seine Verdienste um Berlin, um Deutschland und um die Sache der Freiheit besonders hoch zu schätzen. Dass die jetzige Regierungskoalition auf bürokratische Richtlinien zurückfällt, um dieser großartigen historischen Gestalt die Ehrenbürgerschaft zu verweigern, kann ich einfach nicht begreifen, zumal es zwei Präzedenzfälle schon gibt. Oder vielleicht ist die Reaktion der Berliner Regierungskoalition doch nicht so überraschend: denn zeit seines Lebens musste Ernst Reuter immer wieder mit Kleinigkeiten und Borniertheit und Provinzialismus ringen, allzu oft – wie jetzt in diesem Fall - seitens seiner eigenen Partei-„ Freunde“.

Es ist erbärmlich, dass die jetzige Berliner Regierungskoalition auf so undurchdachte Art und Weise mit dem Andenken eines der größten Berliner umgeht. Letztendlich jedoch braucht Ernst Reuter die Berliner Ehrenbürgerschaft ganz und gar nicht, denn schon seit Jahrzehnten ist er einer der eindrucksvollsten Weltbürger unseres Zeitalters, ein Vorbild für alle, die die Freiheit lieben.

David E. Barclay, Kalamazoo (USA)

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