Leserbriefe : Schneekugel-Schloss Fassade mit Park Arrogante Architekten Ästhetische Entscheidung

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Betrifft: Der Bundestag stimmt für die barocke Schlossfassade

Ist es nicht wunderbar, mit wieviel Ideenreichtum, Energie und Ausdauer um die historische Lücke inmitten der Hauptstadt gestritten wurde? Und dann dieses Ergebnis! Nichts als Preußen-Nostalgie und Hohenzollern-Sentimentalität. Tribut offenbar an ein „Geschichtsgefühl“, als käme die historische Lücke nur bloß von ungefähr.

Mein Vorschlag: Wenn schon Nostalgie, dann bitte mit einer Glaskuppel darüber und Schneegestöber, sobald man eine Münze in den Schlitz des dafür vorgesehenen Automaten wirft. Zu teuer? Wenn man die Kollwitz-Plastik für die Neue Wache beliebig hat hochvergrößern können, dann wird man das Hohenzollern-Schloss auch ohne Schaden runterverkleinern können. Und sobald man das kleine Wunderwerk schüttelt, erklingt eine possierliche Melodie auf die Zeilen: Lang lebe die Berliner Repliken-Republik.

Hans Peter Jäger, Berlin

Betrifft: Der Bundestag stimmt für die barocke Schlossfassade

Noch ein Museum? Noch eine Bibliothek? Man müsste meinen, Berlin ist damit schon mehr als gut versorgt. Lasst uns ruhig die Barock-Fassade wieder errichten, mitsamt Kuppel und allen Schikanen – und getrost auf das Weitere verzichten! Bauen wir innerhalb der Schlossmauern einen schönen Park mit Springbrunnen, Würstchenbuden, Kinderspielplatz. Das wäre für einen Bruchteil dessen zu haben, was eine originalgetreue Rekonstruktion des Monstrums kosten würde, und außerdem hätte die Bevölkerung weit mehr davon.

Fernando Urrejola, Berlin

Betrifft: „Schloss-Entscheidung bleibt umstritten“ vom 8. Juli 2002

Der Bundestag hat mit großer Mehrheit den Wiederaufbau des Stadtschlosses in historischer Fassade beschlossen. Damit ist eine 12 Jahre kontrovers geführte Debatte endlich beendet, sollte man denken. Doch nicht für einige Architekten, die sich offensichtlich überschätzen. Der Architekt ist ein Dienstleister, der vom Bauherren dafür bezahlt wird, dass er das gewünschte Gebäude errichtet. Die Verunglimpfung des Bauherrn und die Verächtlichmachung der vielen Bewohner Berlins, die sich in ihrer Stadt wohlfühlen möchten, ist an Arroganz kaum zu überbieten.

Diethelm Heine, Berlin-Schöneberg

Betrifft: „Rot-Rot gegen barocke Herrlichkeit“ vom 5. Juli 2002

Hat der Regierende Bürgermeister kein Gefühl für Ästhetik? Die Entscheidung für das Schloss war keine politische, sondern eine ästhetische und hat mit „rückwärtsgewandt“, wie etliche meinen, nichts zu tun.

Ich habe den „Palast der Republik“ immer als Fremdkörper zwischen den alten wunderschönen und auch wieder restaurierten Gebäuden empfunden. An jeder anderen Stelle hätte mich der Palast nicht gestört; etwa am Alexanderplatz.

Wir haben nach dem Fall der Mauer einen modernen Stadtteil am Potsdamer Platz errichtet, und auch der Alexanderplatz wird modern werden.

Gerade darum ist es wichtig, uns diese alten Bauten auch zu erhalten. Mit der Errichtung der Schlossfassade wird dann endlich die schreckliche Betonwüstenlücke geschlossen.

Ingrid Grigers, Berlin

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