Leserbriefe : Schneller als die Polizei erlaubt

Zur Diskussion um das Tempolimit

Der VCD bzw. das Umweltbundesamt errechnen mit nackten Zahlen eine merkliche Einsparung am CO2-Ausstoß. Dabei wird vorausgesetzt, ein Tempolimit würde strikt eingehalten. Davon ist in der Praxis nicht auszugehen. Im Großraum Berlin ist längst alles offiziell beschränkt: Schrittgeschwindigkeit, Tempo 30, 50, 80, 100 und 120 km/h. Haben Unfälle drastisch abgenommen? Hat sich die Luft erheblich verbessert? Leider nicht!

Ich frage mich immer wieder, wer noch wo und wann so erheblich schneller als Tempo 130 fahren kann? Auf den Autobahnen herrscht doch meist hohes Verkehrsaufkommen, immer wieder neue Baustellen und zahlreiche notorische Links- und Mittelspurfahrer lassen doch Geschwindigkeiten von 170 oder gar 200 km/h so gut wie nie zu. Gern wird auf das Ausland verwiesen: In Österreich und in Frankreich wurde auf einigen Autobahnabschnitten 160 km/h eingeführt. In französischen Städten beträgt die Höchstgeschwindigkeit 60 km/h. In nordamerikanischen Städten sind 56 oder 64 km/h erlaubt. Die USA sind trotz Tempolimit der größte Energieverbraucher. Dazu tragen auch die vielen sogenannten Fun-Mobile bei, die bei Tempo 100 mehr verbrauchen als deutsche Autos bei 200 km/h. Bei einem generellen Tempolimit würden diese Fahrzeuge auch hierzulande mehr Abnehmer finden.

Viel sinnvoller wäre es, die vielen vorhandenen Regelungen – vorhandene Tempolimits, Sicherheitsabstand, Rechtsfahrgebot usw. – erst einmal konsequent durchzusetzen, statt eine weitere Vorschrift zu Papier zu bringen.Die Fahrzeuge müssen noch deutlich sparsamer werden, und viermal im Jahr autofreie Sonntage sind viel wirksamer und auch für Autofans im Nachhinein ein schönes Erlebnis.

Sabine Hönicke, Berlin-Britz

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