Leserbriefe : Schönbohm hat keine Ahnung vom Osten

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„Da befällt einen die Schwermut“ vom 3. August 2005, „Alle widersprechen dem Innenminister“ vom 4. August 2005 und „Sich selbst entfremdet“ vom 5. August 2005

Ich kann die Äußerung von Innenminister Jörg Schönbohm nur unterstreichen. Er hat Recht. In keinem anderen Bundesland gibt es so viele Verbrechen wie in Brandenburg. Davor kann man die Augen nicht verschließen. Wo bleibt die Empörung über rechte Straftaten ? Hierüber regt sich in Brandenburg niemand auf.

Adolf Sibberns, BerlinCharlottenburg

Die Äußerung von Jörg Schönbohm ist überflüssig. Er hätte ebensogut sagen können, dass 16 Jahre Kohl-Regierung  und geistig-moralische Wende dazu beitrugen, dass die Bevölkerung korrupter geworden ist. Außerdem hätte er noch erwähnen können, dass auch im Westen besonders gern weggesehen wird. Woher kommt diese Mentalität nur?    

Marion Manneck, Essen  

Dem Tagesspiegel-Redakteur Frank Jansen ist es zu danken, Brandenburgs Innenminister Aussagen entlockt zu haben, die – wohl nicht zum ersten Mal – bezeugen, dass der CDU-Politiker ein verantwortliches Amt zu führen nicht in der Lage ist. Ein Ministerium lässt sich nicht von der Anhöhe eines Biertisches kommandieren. Der Christdemokrat, dem vielleicht nicht gesagt wurde, dass die Kindesmutter vermutlich unter starkem religiösem Druck gestanden habe und auch darum auf Schwangerschaftsverhütung verzichtete, sieht das Problem in der starken „Verproletarisierung“ Brandenburgs, vulgo „Kollektivierung der Landwirtschaft durch die SED in den 50er Jahren“. Kain erschlug vermutlich seinen Bruder Abel, weil er nicht LPG-Vorsitzender werden durfte, und Fausts dunkle Seite war durch die Schule der Jungen Pioniere gegangen und darum für Schönbohms heile bürgerliche Welt verloren.

Frank Schumann, Berlin-Mitte

Unglaublich: Jörg Schönbohm macht die DDR-Regierung mitverantwortlich für die Gewalttaten wie die Tötung der neun Neugeborenen in Brandenburg. Medien berichteten, dass die Mutter der toten Babys sehr streng christlich erzogen wurde! Jörg Schönbohm hat eine wunderbare Art, Wähler aus Protest zur Linken Partei zu dirigieren. Bravo, Herr Innenminister!

Elisabeth Kreisl, Dresden

Die Erklärungsversuche des Innenministers zu den Motiven des (juristisch noch nicht bewiesenen) mehrfachen Babymordes schlagen dem Fass den Boden aus. Dieser Innenminister qualifiziert sich ja häufiger durch sehr „intelligente“ Äußerungen, ich erinnere nur an die elektronische Fußfessel für Schulschwänzer. Doch diese Aussage „die von der SED erzwungene Proletarisierung ist eine der wesentlichen Ursachen für Verwahrlosung und Gewaltbereitschaft“ ist nicht nur dumm und gefährlich, sie entbehrt auch jeder Kenntnis der Verhältnisse in der ehemaligen DDR. Ein solcher Mensch ist nicht geeignet, Innenminister in einem ostdeutschen Bundesland zu sein.

Thomas Lengwinat, Berlin-Treptow

Der brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm, dem man seine menschliche Betroffenheit ja abnimmt, analysiert, dass die „erzwungene Proletarisierung in der DDR die Verwahrlosung und Gewaltbereitschaft“ begründet. Das soll also heißen, brandenburgische Arbeiter und ehemalige Genossenschaftsbauern bringen ihre Kinder öfter um als westdeutsche Kleinbürger, Einzelbauern oder Intellektuelle? Und vor allem: Wir Brandenburger stehen solchem Handeln gleichgültiger gegenüber als Sachsen oder Westdeutsche? Man mag der DDR zu Recht viel Schlimmes anlasten, jedoch geistige Verwahrlosung und Degeneration in diesem Ausmaß wurde von niemandem toleriert. Seinen Job oder Einkommen zu verlieren, selbst auf den Zuspruch von Familie, Freunden oder sogar Kirche verzichten zu müssen, machen aus einem Menschen noch keinen vielfachen Kindesmörder und uns Brandenburger schon gar nicht zu gleichgültigen Monstern.

Dr. Harald Sempf, Potsdam

Mit einiger Empörung habe ich den Beitrag von Frau Bruns gelesen und kann nur mit Befremden feststellen,dass es tatsächlich möglich ist, sich mit den wirren Ansichten des Herrn Schönbohm zu identifizieren.

Winfried Schröder, Eichwalde

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