Leserbriefe : Schon die Drohung mit Folter ist Folter

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Betrifft: Folter als Verhörmethode

Es ist ungeheuerlich, mit welcher Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit über die Möglichkeit der Folterung oder deren Androhung für potenzielle Straftäter diskutiert wird. Das Verbot der Folter ist als eines der höchsten Menschenrechte manifestiert im deutschen Grundgesetz und in der Europäischen Menschenrechtskonvention. Dieses Menschenrecht galt lange Zeit als Grundsäule einer freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Dies scheint nicht mehr der Fall zu sein.

Die Verfechter der Möglichkeit, Beschuldigte zu foltern oder ihnen die Folter anzudrohen, gehen zudem von der irrigen Annahme aus, dass Aussagen unter der Folter immer richtig sind und der Wahrheit entsprechen. Aber schon die „hochnotpeinliche Befragung“ der Inquisition der römischkatholischen Kirche hat gezeigt, dass dem nicht so ist. Hunderte, wenn nicht gar tausende Frauen haben unter der Folter gestanden, Hexen zu sein. Eine richtige Aussage? Gesteht nicht jeder unter der Folter alles das, was der Folterknecht hören will, nur damit die Folter endlich aufhört?

Auch wenn davon gesprochen wird, dass die Folter „nur“ angedroht werden könnte, zeigt das einen völlig falschen Ansatz. Schon das Androhen von Folter ist Folter. So galt bei der oben genannten Folter der katholischen Kirche „das Zeigen der Instrumente“, ohne dass dem „Befragten“ Schmerzen zugefügt wurden, als erste Stufe der Folter. Unter dieser Androhung widerrief Galileo Galilei seine Thesen – auch das im Übrigen eine richtige Aussage.

Weitere rein praktische Schwierigkeiten: Man stelle sich vor, der Befragte will und will nicht gestehen, trotz Folter. Wie lange soll denn gefoltert werden? Mehrere Stunden, mehrere Tage, bis zum bitteren Ende? Was ist das Ende?

Christian Voß, Potsdam

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