Leserbriefe : Schon Kinder müssen lernen, mit Konflikten umzugehen

Zum S-Bahn-Mord in München

Es lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Polizisten an öffentlichen Orten und Aufsichtspersonal auf Bahnanlagen sind systemisch. Aber wer macht das denen begreiflich, die sich im Dienstwagen mit Personenschutz zum nächsten Buffet mit Herrn Ackermann chauffieren lassen?

Hans-Ulrich Koormann,

Berlin-Lichtenberg

Herr Brunner hat schlichten wollen und ist ums Leben gekommen. Keine Frage, dass einem das nicht kalt lässt und man den Angehörigen Beileid aussprechen möchte. Der Mann hat Mut gezeigt, die berühmte und doch scheinbar kaum angewendete Zivilcourage. Doch aus meiner Sicht geht die Vergabe eines Ordens – sei es nun einer aus Bayern oder der gesamten bundesdeutschen Republik – zu weit. Es ist ein Affront an all diejenigen, die eine Zivilcourage gezeigt haben und noch leben dürfen. Wie oft wird darüber berichtet? Wie oft bekommt das überhaupt keiner mit? Und dennoch passiert es täglich. Dieser symbolische Akt der Ordensverleihung wird niemanden dazu bringen, demnächst selbst einzugreifen, weiß er doch, dass er nur dann erwähnt wird, wenn ihm etwas dabei zustößt. Menschen denken zu viel, deswegen hat die Zivilcourage auch kaum eine Chance. Herr Brunner war ein ehrenvoller Mann. Die Auszeichnung jedoch bringt weder ihm noch seiner Familie etwas.

Simon Wennige, Potsdam-Babelsberg

Ein Mensch, der Kinder schützte, wird von Menschen zu Tode geprügelt. Gott sei Dank noch kein Alltag in unserem Land, doch – die Brutalität schockt: Tödliche Gewalt in der Öffentlichkeit.

Was jetzt zu tun ist, hat viele Facetten. Eines ist inzwischen zwar unumstritten, wird jedoch kaum konsequent durchgehalten. Das, was in unserer Gesellschaft „etwas wert ist“, muss Menschen frühzeitig erlebbar und fühlbar gemacht werden, Kompetenzen mit Konflikten umzugehen, müssen bereits im Kindergarten trainiert werden.

Neben dem Entsetzen kann das Eingreifen des Mannes auch aufrütteln, andere mitreißen, die sich als Bürger und Mensch bereits ein Stück weit aufgegeben hatten. Für solchen Mut, für solche Menschlichkeit ist es sinnvoll eine Gedenktafel am Bahnsteig München-Solln anzubringen zur Erinnerung an einen Menschen mit Bürgermut, der handelte!

Dr. Bernd Güdter und Michael Breitschwerdt, Fürstenberg/Löwenberger Land

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