Leserbriefe : Schramm hat keine Sippenhaft verdient

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Betrifft: „Die Preisfrage“ vom 23. Juni 2004

Eine Synagoge ist in der Tat ein Ort, in dem Gottesdienste abgehalten werden, und eignet sich nicht als Ort öffentlicher Preisverleihungen.

Aber abgesehen davon bin ich als Mitglied der Berliner Jüdischen Gemeinde und Kind von ShoaÜberlebenden aus Polen zutiefst darüber entsetzt, dass der gegenwärtige Gemeindevorsitzende die Trägerin des diesjährigen Moses Mendelssohn-Preises, Hilde Schramm, mit dem Argument brüskiert, ihr als „Tochter eines NS-Oberen“ könne nicht in „seiner Synagoge“ der Preis übergeben werden, weil es unter den Gemeindemitgliedern ehemalige Zwangsarbeiter in Polen gebe.

Es scheint hier an Elementarkenntnissen der Prinzipien jüdischer Religion zu mangeln, nämlich der schon seit dem biblischen Prophetenbuch Ezechiel, Kapitel 18, 4-18 geltenden Aufhebung der Sippenhaft, wenn Kinder vom Tun ihrer Väter abweichen.

Frau Hilde Schramm hat in diesem Sinne gehandelt und viel Gutes getan, wofür ihr große Anerkennung nicht zuletzt seitens der jüdischen Gemeindevertreter gebührt.

Dr. Elvira Grözinger, Berlin-Lichterfelde

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