Leserbriefe : Schülern muss mit Autorität begegnet werden

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„Ende eines ganz normalen Schulalltags“ vom 27. Oktober 2005

Wenn wir uns alle mal wieder fragen, weshalb die Welt so schlecht ist, die Straftäter so böse sind und es derer so viele gibt, wo all die schönen Werte geblieben sind und warum sich die Schulen in maroder Verfassung befinden, dann wollen wir uns schnell an den Lübecker Strafprozess um eine offenbar beherzte, aber eben leider umgebrachte Lehrerin erinnern und an das Verhalten aller am Prozess Beteiligten.

Die Urteilsbegründung mag man da fast schon als Glücksfall empfinden, fragt sich aber entsetzt, wieso es überhaupt dazu kommen konnte, dass schlichte Wahrheiten wieder „zurechtgerückt“ werden mussten:

Dass es zunächst die Lehrer sind, die Leistungsmaßstäbe setzen und Schüler beurteilen, und nicht umgekehrt, dass machohafte Diskutierwilligkeit Jugendlicher, die zudem von hiesigen Autoritätsverhältnissen irritiert zu sein scheinen, nicht automatisch einen Rechtsanspruch auf Erfüllung ihrer Vorstellungen ergibt, dass Regeln von der Schule und nicht von den Schülern gesetzt werden und dass keine, aber auch keine noch so große vermeintliche oder auch tatsächliche Ungerechtigkeit eine Rechtfertigung für Mord und Totschlag ist.

Wir sollten uns auch daran erinnern, dass diese Schule seinerzeit eine strengere Gangart im Umgang mit ihren Schülern wohl kaum ohne Grund beschlossen hatte.

Im Übrigen wird es der Lehrerin egal sein, ob ihre Mörder nett oder klug waren, denn während ihr Schüler in zirka zwei Jahren in den Freigang marschieren dürfte, ist sie leider lebenslang tot.

Sylvia Mey-Lösche, Berlin-Wannsee

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