Leserbriefe : Schwärmen wäre erlaubt

„Wir waren dabei – Literaturfestival: Kracht und Schneider lesen vor“

von Andreas Schäfer vom 17. September

Natürlich steht es Andreas Schäfer, der damals nicht dabei, war, frei, die 68er mit Hohn und Spott zu übergießen. Es steht ihm nicht frei, bei der Wiedergabe meiner Lesung in der Volksbühne, bei der er dabei war, die Details zu fälschen. „Stolz wie Bolle“, berichtet er, hätte ich von einer Szene erzählt, in der ich „mit Rudi Dutschke in einer Charlottenburger Wohnung die Ressorts einer zukünftigen Berliner Räterepublik verteilt“ hätte. Offenbar hat Andreas Schäfer nicht richtig zugehört. Rudi Dutschke kommt in der Szene gar nicht vor, und nicht ich, sondern andere verteilen die Posten, die keineswegs mit „Stolz“, sondern als ein absurder, größenwahnsinniger Slapstick erzählt wird.

Noch übler verdreht er einen Halbsatz meines Textes über Uschi Obermaier. Ich kann nichts dafür, dass Andreas Schäfer offenbar nur aufwacht, wenn er von „kleinen festen Brüsten“ hört. In meinem Text ist von den Klischeebildern die Rede, die einem zuerst einfallen, wenn man an 68 denkt. In diesem Zusammenhang zitiere ich die blonde Lockenmatte von Rainer Langhans, das Teufelsrot von Fritz Teufels Haarkrone und „den Halbakt der unschuldig verruchten Uschi Obermaier mit den kleinen festen Brüsten – ein frühes Vorbild aller späteren Work-out-Programme“. Aus diesem Satz abzuleiten, dass ein „fast siebzigjähriger Mann von den kleinen festen Brüsten der Uschi Obermaier schwärmt“, ist schon ein starkes Stück. Erstens schwärme ich nicht, zweitens wäre es nicht schlimm, wenn ich schwärmen würde.

Was ist los mit Schäfer? Hat er ein Problem mit dem Sex von Siebzigjährigen?

Peter Schneider, Berlin-Charlottenburg

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