Leserbriefe : Sie wissen, was sie tun

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„Schlag gegen illegalen Anabolikahandel“ vom 30. August 2006

Zu Ihrem Artikel zum Polizeieinsatz gegen die Anabolika-Händler bzw. zu den seit Bekanntwerden der Sache laufenden Fernsehberichten möchte ich als Berlinerin dazu einfach etwas flapsig sagen: „Na und?“ Wen stört es denn eigentlich, wenn sich Bodybuilder, Türsteher, „aber auch“ Anwälte und Ärzte mit derartigen Medikamenten versorgen? Diese Leute werden schon wissen, dass die Einnahme mit Nebenwirkungen einhergeht. Niemand wird gezwungen, so etwas zu konsumieren, es ist auch nicht strafbar. Wo liegt das öffentliche Interesse des Steuerzahlers? Und wenn ein Händler nach Thailand fährt, dort für 30 Euro Anabolika einkauft, um sie dann für 300 Euro in Deutschland weiterzuverkaufen: Ist das nicht die vielgerühmte freie Marktwirtschaft? Ideenreiches Unternehmertum?

Die meines Erachtens völlig übertriebene Selbstbeweihräucherung der Polizei gegenüber dieser marginalen Angelegenheit (man hat es sogar geschafft, ein Auto zu observieren, das in einer Parkgarage abgestellt war, ui!) lässt mich fragen: Hätte man nicht die viele Zeit und die vielen Beamten, die hier offenbar tätig waren, für wirklich wichtige Straftataufklärungen einsetzen können wie zum Beispiel das Aufspüren und Zerschlagen von Kinderpornoringen oder die Einschleusung von Frauen aus Entwicklungsländern zum Zwecke der Zwangsprostitution? Zu einen Fahndungserfolg in diesen Bereichen hätte ich gesagt: „Klasse, Hut ab!“

Renate Sommereisen,

Berlin-Nikolassee

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