Leserbriefe : Sieben Zwerge, Metaebene

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„Endorphine für den Kopf“

von Hans Weingartner vom 4. Februar

Hans Weingartner hängt leider der hierzulande immer noch vorherrschenden Meinung an, dass E- und U-Kultur klar voneinander zu trennen sind. Hier die Filme für die Masse, bei denen jeder Plot und jede Pointe schon hundertmal gesehen wurde, damit sie auch der Letzte versteht, dort der hochcodierte Kunstfilm, der formal und inhaltlich Neues wagt. Diese Haltung ist meiner Ansicht nach falsch und nicht zuletzt auch arrogant. Merkwürdigerweise findet man diese hochmütige Einstellung in den angloamerikanischen Ländern nicht, und – man sehe und staune: Es gelingt beides, das komplexe Werk, das Filmgeschichte schreibt, ist auch ein Kassenschlager, von „Blow up“ und „der Pate“ bis „Pulp Fiction“. Aber gleichzeitig reizen auch viele der porentief reinen Blockbuster selbst ernannte und echte Kritiker dazu, vermeintliche Metaebenen zu entdecken, die selbst der Wohlmeinendste bei den „Sieben Zwergen“ vergeblich suchen würde.

Wenn Weingartner also die Trennung von Hoch- und Niedrigkultur vornimmt, muss er sich auch nicht wundern, wenn ein Teil der Filmproduzenten mitsamt ihrem Massenpublikum jenseits der von ihm gezogenen Grenze in einem ästhetischen Vakuum zurückbleibt. Den diametral entgegengesetzten Ansatz zeigte Alfred Hitchcock, der vor dem Endschnitt seiner Filme unzählige Screenings durchführen ließ, um sich ganz sicher zu sein, dass er wirklich jeden Zuschauer bei den verschiedensten Wendungen des Plots an der Angel hatte. Masse und Kunst müssen sich also keinesfalls ausschließen.

Roman Bittner,

Berlin-Prenzlauer Berg

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