Leserbriefe : Singen müsste man können

-

Zur Berichterstattung über

den Eurovision Song Contest

Unnötigerweise rieben sich viele deutsche Fernsehzuschauer die Augen, zu überraschend war die Punktvergabe der einzelnen Länder.

Drei Dinge hätte ein Zuschauer vor sich auf dem Schoß haben müssen: a) ein simples Lexikon der europäischen Geschichte, b) einen schlichten Schulatlas und c) eine Statistik zur europäischen Arbeitsmigration.

Dann wäre das Moment der Überraschung ausgeblieben.

Dr. Stefan Otto, Berlin-Dahlem

Es ist richtig, dass der Westen mehr und mehr das Interesse am Eurovision Song Contest verliert. Es ist sicher auch richtig, dass die Länder des Ostens – noch – ihre besten Sänger schicken. Aber, wenn das Ergebnis nicht unbedingt die Güte eines Titels widerspiegelt, sondern viel eher die Lage des vertretenen Landes in Europa, dann geht es nicht mit rechten Dingen zu.

Es ist auch nicht unbedingt ein Zeichen für schlechte Verlierer, wenn man ein anderes Bewertungsverfahren anmahnt, als jenes, das Andorra die gleiche Punktezahl vergeben lässt wie Russland. Es ist eher Zeichen des Überdrusses: Man ist es leid, der größte Nettozahler sein zu dürfen, wenn man anschließend nicht auf ein wenig Fairness hoffen darf. Oder fanden Sie die Beiträge aus der Ukraine oder der Türkei wirklich soviel besser als den aus Deutschland? Selbst der rumänische hat noch deutlich besser abgeschnitten. Dann sollten Andorra, Russland und Deutschland auch genauso viel bezahlen. Das wäre unfair?

Ach so. Und auch so Länder wie Ungarn oder Bulgarien hätten den Sieg verdient. Aber bei so vielen jugoslawischen oder sowjetischen Stimmen … Lediglich innerhalb der Westtitel stimmt die Reihenfolge.

Barbara Kortüm, Berlin-Steglitz

Ich möchte mein Entsetzen darüber bekunden, wie viele Kommentatoren, Moderatoren etc. von Seilschaften und dem „Zuschustern von Punkten“ auf dem Balkan berichten.

Wenn Kroatien Serbien zwölf Punkte erteilt ist das mit Sicherheit nicht auf Seilschaften zurückzuführen, gleiches gilt für Bosnien. Der einzige Grund kann hier die Qualität des Liedes sein – und ein eventueller kulturell und ethnisch bedingter ähnlicher Geschmack! Vor einigen Jahren gab es einen erbitterten und unsinnigen Krieg zwischen diesen Ländern – das scheinen die „Fachleute“ vergessen zu haben. Insofern ist jegliche Diskussion über neue Reglements absoluter Unsinn.

Daniel Durackovic,

Ljubljana, Slowenien

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben