Leserbriefe : Sinti und Roma sind keine „Zigeuner“

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„Streit um ZigeunerGedenken“

vom 2. März 2005

Sind wir Deutsche „huns“, „boches“, „krauts“ etc., wie uns die Engländer, Franzosen, Amerikaner etc. manchmal bezeichnen? Wohl kaum! Doch warum soll das bei den Sinti und Roma anders sein? Auch sie wollen nicht mit dem Schimpfwort „Zigeuner“ bezeichnet werden. Die Herkunft dieses Begriffs ist nicht ganz klar.

Nach neuesten Forschungen stammt er vermutlich von der Religionsgemeinschaft der „Athinganen“ (von Griechisch „athinganoi“= die Unberührbaren). Er wurde in den meisten europäischen Sprachen zur Fremdbezeichnung des Volkes der Roma.

Nur im Englischen und Spanischen werden die Roma nach den Ägyptern als „gypsies“ oder „gitanos“ bezeichnet. All diese Fremdbezeichnungen sind negativ konnotiert. Der deutsche Begriff „Zigeuner“ auch deshalb, weil er fälschlich von „Zieh-Gauner“ abgeleitet wurde. Die „Zigeuner“ waren und sind jedoch keine „Gauner“. Sie sind ein Volk mit einer eigenen Sprache – dem Romanes – und Kultur.

Darauf hat schon 1783 der Göttinger Historiker Heinrich Moritz Gottlieb Grellmann verwiesen. Und der ostpreußische Pfarrer Johann Erich Biester wusste bereits 1793, dass die „Zigeuner“ sich selber „Roma“ nennen. Der in Deutschland seit 600 Jahren beheimatete Stamm der Roma bezeichnet sich als „Sinti“. So ist die Doppelbezeichnung „Sinti und Roma“ entstanden, an der Romani Rose festhält, der übrigens „Vorsitzender des Zentralrats der deutschen Sinti und Roma“ und nicht, wie Peter von Becker schreibt, „der Sinti und Roma in Deutschland“ ist.

Es geht also nicht um „political correctness“, es geht um die historisch und linguistisch korrekte Bezeichnung. Sinti und Roma sind keine „Zigeuner“ – und Deutsche keine „Hunnen“.

Prof. Dr. Wolfgang Wippermann, Berlin-Zehlendorf

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