Leserbriefe : Sitzenbleiben aus Kostengründen abschaffen

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„Schüler aus dem Umland unerwünscht“ vom 13. Juni 2005

Ihr Artikel ist nicht nur ein Beispiel dafür, wie dringend es an der Zeit ist, dass Berlin und Brandenburg endlich ein gemeinsames Bundesland werden. Mir kam gleichzeitig ein ganz anderer Gedanke: Wenn ich mir die Schulkosten anschaue, die für einen Schüler in Berlin pro Jahr aufgewendet werden, dann frage ich mich, warum dieses Einsparpotenzial brachliegt. Könnte man nicht mal eine Kampagne starten wie „Keine Sitzenbleiber im Schuljahr 2005/2006 – Gebt Berlin eine Chance!“

Abgesehen davon, dass „Ehrenrunden“ nachweislich nicht zwingend zu besseren Schulergebnissen führen, würde man doch mit dieser Kampagne mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Förderung der Schwächeren führt zu besseren PisaErgebnissen, und die Stadt spart pro Nicht-Sitzenbleiber bis zu 18000 Euro (!!!). Man müsste allerdings die Lehrer darüber informieren, dass sie schon rechtzeitig während des laufenden Schuljahres Fördermöglichkeiten für einen gefährdeten Schüler aufstellen und nicht erst in der Zensurenkonferenz kurz vor den Zeugnissen die Fünfen zusammenzählen und den Schüler mit bedauerndem Kopfschütteln in die teure Ehrenrunde schicken. Aus eigener Beobachtung frage ich mich, ob der Durchschnittslehrer eigentlich weiß, wie viel das Sitzenbleiben den Steuerzahler kostet und wie viel Lebenszeit einem jungen Menschen dadurch gestohlen wird. Und Zukunftschancen geben wir unserem Nachwuchs doch nun wirklich wenig genug. Ein Mensch, der nie ein Erfolgserlebnis hatte, immer nur schlechte oder durchschnittliche Zensuren hat, kann an sich selber gar nicht glauben. Wie soll ein solcher Schüler mit Optimismus ins Leben gehen?

Julia Müller, Berlin-Steglitz

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