Leserbriefe : Solidarität ist keine Einbahnstraße

Zur Berichterstattung über den Streik

der Lokführer

Eine derartig einseitige Haltung, wie sie sich in Ihren Kommentaren zum Streik der Lokführer (insbesondere in der Ausgabe vom Sonntag, dem 4.11.2007) widerspiegelt, ist für einen Leser Ihrer Zeitung kaum noch zu ertragen. Ihren Kommentatoren sollte eigentlich bekannt sein, dass das Recht auf Koalitionsfreiheit und Streik ein verfassungsmäßig verbrieftes Grundrecht ist. Und wenn vonseiten der Deutschen Bahn immer wieder die Solidargemeinschaft in den Betrieben betont wird, wo bleibt die Solidarität der Unternehmer bei der Bezahlung ihrer Beschäftigten? In vielen Betrieben wird doch schon durch „Outsourcing“ und differente Arbeitsverträge nicht mehr für die gleiche Arbeit der gleiche Lohn gezahlt.

Aber wenn es um Lohndumping geht, spielt Solidarität wohl keine Rolle mehr. Nur wenn eine zugegeben spezialisierte und für den Betrieb entscheidende Berufsgruppe eine bessere Bezahlung fordert, dann wird an die Solidarität der Beschäftigten appelliert. Aber Solidarität ist keine Einbahnstraße! Zugegeben, die Lokführer sitzen an einer neuralgischen Stelle. Aber wenn sie so wichtig für unser Land und unsere Wirtschaft sind, dann hätte man bei ihnen den Beamtenstatus belassen müssen wie bei der Polizei. Ein bisschen mehr Objektivität bzw. Neutralität hätte man vom Tagesspiegel und seinen Kommentatoren schon erwarten können.

Stefan Bodin, Berlin-Spandau

Ich freue mich außerordentlich über die Standhaftigkeit der GDL: Das ist in unserer Gesellschaft heute leider sehr selten geworden! Man muss auch endlich einmal begreifen, um was es hier neben Gehaltsaufbesserungen vor allen Dingen geht: Es ist in erster Linie der eigenständige Tarifvertrag, den Herr Mehdorn und Frau Sukale „scheuen wie der Teufel das Weihwasser“! Es ist ja bisher auch alles so schön bequem gelaufen mit der „Jasagergewerkschaft“ Transnet. Ich hoffe allerdings auch, dass der harte Kurs der GDL Schule macht bei anderen Gewerkschaften wie z. B. bei Verdi in Berlin: Der öffentliche Dienst hat nach massiven Gehaltseinbußen in den letzten sechs Jahren einen enormen Nachholbedarf. Der Berliner Senat muss endlich zum Handeln gezwungen werden! Mit der unsinnigen Sparerei muss endlich Schluss sein, wenn man die Binnennachfrage nicht noch weiterhin schwächen will!

Thomas Henschke,

Berlin-Waidmannslust

Viele beklagen sich, dass der Lokführerstreik unvertretbar sei, weil Wirtschaft und Bürger in Deutschland auf die Bahn als Infrastrukturunternehmen angewiesen sind. Es ist Aufgabe des Staates, für Wirtschaft und Bürger die notwendige Infrastruktur unter zumutbaren Bedingungen jederzeit verfügbar zu halten. Der gebotene Weg ist, dass Lokführer wieder Beamte werden. Bahn und Daseinsvorsorge gehören in staatliche Hand und nicht in die Hand gewinnorientierter Unternehmen.

Michael Eule, Berlin-Friedenau

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