Leserbriefe : Sommer wird’s immer, Winter wird’s nimmer

-

„UN: Klimawandel rottet bis zu 40 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten aus“

von Dagmar Dehmer vom 7. April

Tatsächlich wissen wir heute – in aller wissenschaftlichen Redlichkeit – nicht, welche Faktoren das Weltklima steuern. Für den Fall, dass sich eines Tages herausstellt, dass der menschliche Beitrag zum derzeitigen Klimawandel unerheblich ist: Was wäre unter dieser Prämisse vorausschauendes und verantwortungsvolles Handeln? Es wäre Anerkennung des Klimawandels als Faktum, ein Ende der Vertändelei in CO2-Emissionsdiskussionen, und Konzentration auf die Frage, wie bei globaler Erwärmung in den benachteiligten Klimazonen langfristige Lebensperspektiven für die betroffenen Menschen gesichert werden können. Diese Diskussion wird heute kaum geführt, was sich einmal als ein Versäumnis herausstellen könnte.

Vor 1000 Jahren haben die Wikinger Grönland (= Grünland) nach seiner saftigen Vegetation benannt und seine nördlichen Küsten auf eisfreien Gewässern kartiert. Vor 400 Jahren ist im Winter der Bodensee zugefroren wie heute Seen in Nordfinnland. Klimaschwankungen sind nicht die Ausnahme, sondern der Normalfall. Es ist möglich, dass der aktuelle Klimawandel durch CO2-Emissionen menschgemacht ist, aber der Nachweis für diese Annahme steht noch aus. Es gibt auch gute Argumente dagegen. Die Debatte muss in unser aller Interesse weiter ergebnisoffen und mit wissenschaftlichen Argumenten geführt werden.

Dr. Ralf Milke, Berlin-Wannsee

Die im zweiten Klimaschutzbericht der UN sowie in letzter Zeit in allen Medien behandelte Problematik der Erderwärmung mit der schnellen Schlussfolgerung, dass Energieeinsparung und damit die Verminderung von Schadstoffausstoß möglichst morgen oder besser schon gestern erreicht werden soll, geht zum einen vollkommen an der Tatsache vorbei, dass es immer schon Zyklen von Erderwärmungen gab, die übrigens noch gar nicht so weit zurückliegen, was man allein daran ablesen kann, wie die Städte im Mittelalter (in Deutschland!) angelegt wurden; das Gassensystem der heute so beliebten Altstädte, wie zum Beispiel Quedlinburg, ermöglichte auf Grund der milden Temperaturen ein Leben mit Handel, Handwerk auf der Straße, wie wir es heute nur von südlichen Ländern her kennen und lieben.

Um nicht missverstanden zu werden, dass der heutige Mensch (die Krönung der Schöpfung?) erheblich dazu beiträgt, dass das Ökosystem aus den Fugen gerät, wird in keinster Weise bestritten.

Zu fragen sind allerdings all die Umweltexperten aus Politik, Medien und Ökogruppierungen, wo bleibt bei ihnen eigentlich die Ökobilanz, die der Normalverbraucher bei seinen Investitionen versteht, die beispielsweise auflistet, wie viel Öl und Energie notwendig sind, um die verbesserte Wärmedämmung eines Einfamilienhauses herzustellen? Polystrolplatten werden ja wohl aus Erdöl gewonnen! Gleiches gilt beispielsweise für die Herstellung von Zwangsentlüftungsanlagen in Energiesparhäusern.

All dieses soll nicht verdammt werden, sondern ich wünsche mir nur eine Diskussion mit mehr Inhalt und Differenzierung als allzu platte Aussagen; bei Politikern ist dieses wohl kaum zu erwarten, da abgesehen von eigener intellektueller Unzulänglichkeit, der Wähler immer im Vordergrund steht. Vielleicht könnte eine Versachlichung dieses Problems von wirklich Kompetenten einmal in die Öffentlichkeit getragen werden.

Dietmar A. König, Zeuthen

Die neue Wetterregel lautet: „Sommer wird’s immer, Winter wird’s nimmer“ oder der „nächste Sommer kommt bestimmt“. Das ist doch das schöne an der Klimaveränderung endlich haben wir warme, ja heiße Sommer, die wir vor 20 bis 30 Jahren nur in Ausnahmefällen hatten. Auch wenn viele den Winter nicht mögen, wegen seiner ach so großen Kälte (wann hatten wir denn mal einen richtigen Winter, bei dem Flüsse zugefroren sind?), finde ich es persönlich schade wenn es nur noch drei Jahreszeiten gibt. Der letzte Winter ist ganz einfach ausgefallen. Wenn im Sommer so lange regenreiche Phasen aufgetreten wären, wie in den vergangenen Wochen, wäre das Geschrei wieder groß.

Wenn immer behauptet wird von Wetterexperten, dass eine außergewöhnlich hohe Temperatur mitten im Winter, noch kein Indiz für eine Klimaveränderung ist, mit dem Hinweis, dass das ja nur ein Einzelfall ist, so muss ich sagen, dass diese Einzelfälle nach meiner Betrachtung wirklich schon in Serie gegangen sind. Leider ist es nicht mehr fünf vor zwölf sondern fünf nach zwölf mit der Klimaveränderung, weil wir ja mit den üblichen Energieträgern weiterhin unseren Energiebedarf decken. Die kommenden Generationen werden es uns danken, dass wir im Grunde nicht fähig waren, mehr zu tun, gegen diese Veränderungen.

Erik Noras, Köln

Der böse Onkel Klimawandel, und wir als Opfer mittendrin. Frage: Wäre es nicht endlich an der Zeit, sich ehrlich zu machen und die Diskussion in und von folgender Richtung aus zu führen: Unsere bisherige Lebens- und Denkweise hat schon Riesenteile des Planeten zerstört, und wird bei Kontinuität derselben auch den Rest systematisch vernichten.

Es geht darum, die hundert Prozent Verantwortung für den Jetztzustand und die Zukunft zu übernehmen, anstatt dem Schlingel Klimawandel die Schuld in die Schuhe zu schieben. Es geht um nichts Geringeres als die bisherige tonangebende verantwortungslose, ausbeuterische, arrogante und sinnlose Einstellung eines großen Teils der handelnden Eliten und von vielen von uns gegenüber der Mutter Erde und der Natur komplett und ideologiefrei zur Disposition zu stellen,und fantasievolle und mutige Neuanfänge zu wagen.

Rüdiger Zippelius, Berlin-Neukölln

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben